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Anschlag in Halle : Eine Offenbarung des Hasses

Hohes Polizeiaufgebot: Menschen gedenken am Donnerstag vor der Synagoge in Halle der zwei Opfer. Bild: Daniel Pilar

Stephan B. zeigt in dem Video, das er von seiner Tat aufgenommen hat, Menschenverachtung und einen tiefsitzenden Antisemitismus. Am Tag danach fragen viele nach dem gesellschaftlichen Nährboden für den Hass – und wie man den Rechtsextremismus bekämpfen kann.

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          Christina Feist steht vor der Tür, die ihr Leben rettete. Eine unscheinbare, braune Tür, die der Täter nicht aufsprengen und zerschießen konnte. Feist saß am Mittwochmittag in der Synagoge in Halle, feierte wie Dutzende andere Jüdinnen und Juden mit der Gemeinde Jom Kippur, das Versöhnungsfest. Sie ist 29 Jahre alt, war nur auf der Durchreise in Halle, wollte dann weiter nach Berlin. Mitten im Gottesdienst, bei der Thoralesung, habe sie einen Knall gehört, dann weitere. An der Außenmauer hat die Gemeinde eine Kamera installiert, sie überträgt Bilder auf einen Bildschirm, der im Gebetsraum angebracht ist. Wer in der Nähe sitzt, schaut drauf. So sah der Kantor dann auch Stephan B., wie er sich an der Tür zu schaffen machte. „Er hat superschnell reagiert“, lobt Christina Feist nun, am Donnerstag, vor der Synagoge. Der Kantor habe die Gemeindemitglieder in einen Nebenraum geschickt, gesagt, sie sollten weg von den Fenstern. Vorder- und Hintertür seien von Mitgliedern verbarrikadiert worden. Feist selbst versperrte die mittlere Tür.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Man merkt, wie in ihr verschiedene Gefühle kämpfen. Ratlosigkeit, wie jemand so etwas tun kann, Erleichterung, lebend herausgekommen zu sein, und Trauer über die Opfer. „Das ist nichts Neues“, sagt Feist und meint den Antisemitismus. „Xenophobie wird irgendwie gerade gesellschaftlich akzeptiert.“ Sie erhebt schwere Vorwürfe. „Solange es keinen gesellschaftlichen und politischen Druck gibt, kommt es zu keiner Änderung.“ So lange werde es Antisemitismus und Attacken auf Juden und jüdische Einrichtungen geben.

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