https://www.faz.net/-gpf-8qzpz

Gedenken an Berliner Anschlag : Lammert erinnert an Berliner Terroropfer: „Teilen tiefe Trauer“

  • Aktualisiert am

Gedenken an die Opfer des Anschlags von Berlin: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, Mitte) Bild: dpa

Einen Monat nach dem Terroranschlag in Berlin hat Bundestagspräsident Lammert die besonnene Reaktion der Bürger gelobt. „Terror zielt darauf ab, demokratische Gesellschaften zu erschüttern, zu lähmen, zu destabilisieren. Dieses Ziel haben die Terroristen in Deutschland nicht erreicht.“

          2 Min.

          Der Bundestag hat am Donnerstag der Opfer des Terroranschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz kurz vor Weihnachten gedacht. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte vor dem Parlament in Berlin, der schockierende Terroranschlag habe die Hoffnung auf besinnliche Feiertage auf entsetzliche Weise zerstört. An die Angehörigen der zwölf Mordopfer gerichtet sagte er: „Wir teilen Ihre tiefe Trauer.“

          Das Parlament erhob sich zu einer Schweigeminute. Zum Gedenken waren viele Mitglieder der Bundesregierung anwesend. Bundespräsident Joachim Gauck verfolgte die Ansprache von der Tribüne im Reichstagsgebäude.

          Zugleich erinnerte Lammert an die Verletzten, die Augenzeugen und Hilfskräfte. Viele von ihnen würden noch lange kämpfen müssen, um körperlich wie seelisch wieder ins Leben zurückzufinden. Der Bundestagspräsident mahnte, die Privatsphäre zu achten, bezeichnete es gleichzeitig aber auch als „unangemessen“, dass über den Täter so viel bekannt sei, über die Opfer nicht.

          Terrorismus ziele darauf ab, demokratische Gesellschaften zu lähmen und zu destabilisieren, sagte Lammert. „Dieses Ziel haben die Terroristen in Deutschland nicht erreicht“, ergänzte er. Die Bevölkerung habe eindrucksvoll besonnen reagiert. Dennoch verändere die Terrorgefahr zwangsläufig das Leben und es wachse das Sicherheitsbedürfnis. Der Staat müsse seine Handlungsfähigkeit beweisen, sagte Lammert.

          Lammert forderte die Muslime in Deutschland zudem zur Auseinandersetzung mit ihrer Religion auf. Als Staat, der Religionsfreiheit als Menschenrecht garantiere, „dürfen und müssen wir die Auseinandersetzung der Muslime mit ihrer Religion und dem verhängnisvollen Zusammenhang von Glaube und fanatischer Gewalt mit Nachdruck einfordern“, sagte Lammert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime habe dies nach dem Anschlag beispielhaft getan. „Auch das verdient Respekt und Anerkennung.“

          Lammert: Muslime müssen sich mit ihrer Religion auseinandersetzen

          Zugleich warnte Lammert eindringlich davor, dass Menschen wegen „ihrer Herkunft oder Religion in Sippenhaft genommen werden für terroristische Gewalt, vor der sie vielfach selbst geflohen sind“. Der Attentäter Anis Amri habe sich als Muslim und Soldat der Terrormiliz Islamischer Staat verstanden und als Flüchtling ausgegeben. „Beides können wir nicht übersehen – gerade weil wir uns zur religiösen Vielfalt, zur weltoffenen Gesellschaft und zu unseren humanitären Verpflichtungen bekennen“, sagte der Bundestagspräsident.

          Lammert verlangte die Bekämpfung islamistischen Gedankenguts mit aller rechtsstaatlicher Härte und auch in der politischen Auseinandersetzung. „Terror ist nie religiös, Terror ist politisch – und die Antwort darauf muss auch politisch sein.“ Zugleich unterstrich er: „Wir bekämpfen nicht den Islam, sondern Fanatismus, nicht Religion, sondern Fundamentalismus.“ Dies gelte unter dem Eindruck des Terrors in Deutschland genauso wie nach den Anschlägen in den europäischen Nachbarländern.

          Weitere Themen

          Söder kritisiert Atommüll-Endlager-Suche scharf Video-Seite öffnen

          Von Politik und Geologie : Söder kritisiert Atommüll-Endlager-Suche scharf

          Bayern hat den Such-Prozess für ein Atommüll-Endlager und den Ausschluss Gorlebens in Niedersachsen kritisiert: Laut Söder wäre es „ sehr, sehr schade, wenn jahrzehntelange Arbeit der Erkundung dort ausfiele und Milliarden an Steuergeldern einfach verschwendet worden sind“.

          Topmeldungen

          Deutsche Alpen: Auch Urlaub in den eigenen Staatsgrenzen kann erholsam sein.

          Corona-Risikogebiete : Wo dürfen wir Urlaub machen?

          Immer mehr Urlaubsländer werden zum Corona-Risikogebiet. Strengere Quarantäne-Regeln machen das Reisen noch unangenehmer. Und die Kontrollen werden schärfer.
          Aserbaidschanische Soldaten schießen auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Nagornyj Karabach – Aufnahme aus Filmmaterial, das das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntag veröffentlicht hat

          Konflikt um Nagornyj Karabach : Jeder feiert seine Erfolge

          Bei den neu entflammten Kämpfen in Nagornyj Karabach ist die Propaganda ein wichtiges Mittel. Doch die Parteien erhalten auch international Hilfe – aus Russland und der Türkei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.