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Anschlag : Einkaufszentrum – weiches Ziel für Terroristen

Das Olympia-Einkaufszentrum in München - das Archivbild zeigt es vor der Tat. Bild: Picture-Alliance

Das Einkaufszentrum am Münchner Olympiapark war ein ideales Ziel. Unabhängig davon, welche Motive hinter der Tat standen: Solche Orte leben davon, dass die Menschen ungeprüft ein- und ausgehen.

          Die Schießerei im Münchner Olympia-Einkaufszentrum, bei der am Freitagabend mehrere Menschen starben und weitere verletzt wurden, wirft jede Menge Fragen auf. Noch ist völlig unklar, um wie viele Täter es sich handelt, was ihre Motive waren und ob sie gefasst werden, bevor sie weiteres Unheil anrichten können.

          Doch völlig unabhängig davon, ob es sich um radikale Islamisten, Rechtsradikale, Psychopathen oder Menschen mit anderen, düsteren Motiven handelt, ist eines gewiss: Für jemanden, der mit geringem Aufwand großen Schaden anrichten will, ist ein Einkaufszentrum wie das am Olympiapark ein ideales Ziel.

          Die Abflugbereiche von Flughäfen oder Fußballstadien lassen sich mit aufwendigen Eingangskontrollen besser sichern. Besser, weil keine Sicherungsmaßnahme eine Garantie sein kann. Bei Einkaufszentren aber wäre der Preis dafür hoch. Sie leben davon, dass möglichst viele Menschen möglichst schnell in sie hinein und auch wieder hinauskommen. Wer will schon in einer Schlange stehen, bevor er schnell einen Cappuccino trinken kann? Jede Minute Wartezeit schädigt das Geschäft.

          Hinzu kommt, dass Angreifer mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, eine große Zahl von Personen zu treffen. In Flughäfen, Fußballstadien, aber auch auf größeren Bahnhöfen müssen Täter eher damit rechnen, sich mit zahlreichen Polizisten konfrontiert zu sehen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko, bei einer Aufklärung des Anschlagziels entdeckt zu werden. In Einkaufszentren sind Polizisten eher selten anzutreffen. Das Inspizieren des geplanten Anschlagorts kann vergleichsweise mühelos erfolgen, zumindest dann, wenn ein höchst wachsamer Sicherheitsdienst über Kameras nicht aufmerksam auf die Täter wird und diese Auffälligkeiten auch an die Polizei meldet.

          Wiederholt im Fokus von Terroristen

          Wie attraktiv Einkaufszentren für Terroristen jedweder Couleur sind, verfolgen deutsche Sicherheitsunternehmen schon lange. „Seit den 80er Jahren sind Einkaufszentren wiederholt in den Fokus von Terroristen geraten“, sagt Friedrich Haas, Sicherheitsanalyst der AKE Group gegenüber FAZ.NET.  Sowohl das „Harrods" in London als auch das Pariser „Printemps“ seien schon Ziel von Bombenanschlägen gewesen. Die Sprengsätze seien jedoch rechtzeitig entschärft worden.

          Nicht verhindert werden konnte hingegen ein Anschlag radikal-islamistischer Terroristen im September 2013 in Kenia. Beim Angriff auf das beliebte Einkaufszentrum „Westgate Mall“ in der Hauptstadt Nairobi starben damals 67 Menschen, zahlreiche weitere wurden verletzt.

          Für Anhänger radikalislamischer Gruppen verfügen Einkaufszentren auch über einen ideologischen Reiz. Sie sind für sie Inbegriffe westlichen Lebensstils. Wer hier zuschlägt, setzt in ihren Augen ein Zeichen gegen die Dekadenz des Abendlandes. Ob dieses Motiv in München eine Rolle spielte, ist völlig unklar. So oder so, ein Einkaufszentrum ist ein besonders leichtes Ziel.

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