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Anschlag am Frankfurter Flughafen : Der vernetzte Einzeltäter

Eine Ladehemmung verhinderte weiteres Blutvergießen: Der Tatort am Frankfurter Flughafen am Mittwoch Bild: Florian Manz

Attentäter Arid U. pflegte gute Kontakte zu fanatischen Muslimen in Deutschland. Dennoch fiel der Attentäter aus Frankfurt-Sossenheim durch sämtliche Raster der deutschen Sicherheitsbehörden. Wie konnte das passieren?

          5 Min.

          Als Attentäter Arid U. am späten Mittwochabend seine Aussage macht, ist er plötzlich wieder der unscheinbare junge Mann. Anfang 20, dunkle kurze Haare, schmales Gesicht. Nur wenige Stunden ist es her, dass er vor dem Terminal 2 des Frankfurter Flughafens einen Bus der amerikanischen Streitkräfte abgepasst, zwei Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt hat. Er sagt, er habe Videos von „Greueltaten“ der Amerikaner gesehen. Die Bilder motivierten den radikalisierten Muslim offenbar zu seiner Bluttat. Am Morgen danach sprechen die Sicherheitsbehörden davon, dass dies der erste bis zum Ende geführte Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland war.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass es einen solchen Hintergrund gibt, hatten die Ermittler kurz nach der Tat zunächst lediglich vermutet. Arid U. zählte nicht zum Kreis jener jungen Männer, die in den Akten der Polizei als „Gefährder“ geführt wurden. Er tauchte nicht in den Berichten der Sicherheitsbehörden auf. Er besuchte regelmäßig eine Moschee, galt aber nicht als verdächtig. Der junge Mann aus dem Frankfurter Westen war offenbar durch das Raster gefallen.

          „Der war total nett und sehr, sehr zurückhaltend“, sagt eine Nachbarin, „aber ein bisschen psycho.“ Sie wohnt wie Arid U. und dessen Familie in einem von sieben Hochhaustürmen im Frankfurter Stadtteil Sossenheim. Die Fassaden der Häuser bestehen aus Waschbetonplatten, von den kleinen Balkonen hängen Teppiche, Bettzeug und Kleidungsstücke herab. Fast für jede Wohnung gibt es eine Satellitenschüssel. Das Klingelschild von Hausnummer 6 hat 31 Namen. Die meisten Namen sind nichtdeutscher Herkunft. Die Polizei hatte noch am Mittwochabend die Wohnung der fünfköpfigen Familie, die aus dem Kosovo stammt, durchsucht. Die Beamten beschlagnahmen Computer und andere Speichermedien.

          Seitdem arbeiten die Ermittler rund um die Uhr. Inzwischen weiß man, dass Arid U. Kontakt hatte zu mehreren islamischen Predigern aus dem Raum Frankfurt. Unter anderen zu Sheik Abdellatif – jenem Mann mit marokkanischen Wurzeln, der erst vor einer Woche in seiner Frankfurter Wohnung festgenommen worden war. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden ist er einer der wichtigsten salafistischen Prediger in Deutschland. Insider nennen ihn einen „Rattenfänger“, weil er mit seiner scheinbar fürsorglichen Art vor allem junge Muslime anspricht. Sheik Abdellatif organisiert für sie Fußballturniere und gesellige Treffen und lockt sie so in seine Seminare. Dort lassen sich die jungen Männer dann nach und nach von den radikalen Ansichten des Predigers gefangennehmen. Möglicherweise auch Arid U.

          „Facebook“-Seite als wichtiges Indiz

          Der Sheik gilt als gefährlich. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen ihm vor, junge Männer „für den Dienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung“ angeworben zu haben. Gemeint ist: Abdellatif wollte die Männer in Terror-Camps schicken. Zum Kreis seiner Anhänger zählt etwa der Frankfurter Student Haddid N., der am 8. Januar 2011 in Afghanistan im Haus seines Vaters von amerikanischen Soldaten festgenommen worden war. Dem Vernehmen nach wollte sich Haddid N. in ein Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet begeben.

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