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Anschlag am 19. Februar : Tausende gedenken der Opfer von Hanau

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Hanau am Samstagnachmittag: Mehrere hundert Menschen gedenken bei der offiziellen Gedenkveranstaltung an die rassistisch motivierten Anschläge vor einem halben Jahr. Bild: dpa

In rund 30 Städten haben Tausende bei Kundgebungen in ganz Deutschland an die Opfer des Terroranschlags von Hanau erinnert. In Hanau selbst gingen nur rund 250 auf die Straße – wegen der Corona-Pandemie.

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          Zum Gedenken an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau vor einem halben Jahr haben sich am Samstag rund 250 Menschen zu einer Kundgebung in der Hanauer Innenstadt versammelt. Zuvor war eine geplante Demonstration mit Tausenden Teilnehmern wegen der aktuellen Corona-Lage abgesagt worden. Unter den Anwesenden waren auch Angehörige der Anschlagsopfer, die ebenso wie andere Teilnehmer Schilder mit Porträts der Getöteten und Aufschriften wie „Wir fordern: Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen“ hochhielten. Unter diesem Motto hatten die Organisatoren der „Initiative 19. Februar“ ursprünglich zu der Demonstration aufgerufen, zu der auch Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet hatten anreisen wollten.

          Am Vorabend hatte die Stadt Hanau die Demonstration jedoch wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen untersagt. Lediglich eine Kundgebung „im kleinen Rahmen“ mit maximal 249 Personen war gestattet. Grund seien die „Entwicklungen der Corona-Zahlen“, erklärte die „Initiative 19. Februar Hanau“. Das habe Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) der Initiative mitgeteilt. Man bedauere die Entscheidung, weil es wegen des späten Zeitpunkts keine Möglichkeit zur ihrer rechtlichen Überprüfung mehr gebe. „Dennoch sind wir keine Corona-Rebellen und folgen der Entscheidung“ versicherten die Organisatoren.

          Auf der Internetseite der Stadt erklärte Oberbürgermeister Kaminsky: „Sobald die Infektionsfälle wieder deutlich zurückgegangen sind, holen wir diese Trauerbekundung selbstverständlich nach.“ Die Zahl der Neuinfizierten je 100.000 Einwohner im Sieben-Tage-Rückblick sei in Hanau auf 49 hochgeschnellt. Tags zuvor habe diese Zahl noch bei 36 gelegen. Auf der Kundgebung auf dem Hanauer Freiheitsplatz wies Nevros Duman von der „Initiative 19. Februar Hanau“ Forderungen nach einem Zurück zur Normalität zurück. Zuvor müsse der alltägliche Rasissmus überwunden werden. Duman kritisierte zugleich das Verbot der Demonstration durch die Stadt Hanau. „Wir dürfen hier nur mit 249 Menschen trauern, während um uns herum in der Fußgängerzone Tausende Menschen in aller Ruhe einkaufen oder draußen sitzen und Wein trinken“, rief sie aus.

          Mehrere Rednerinnen und Redner in Hanau forderten eine rückhaltlose Aufklärung der Tat, Unterstützung für die Angehörigen der Toten und warfen den Behörden Versagen vor. „Warum wurde dieser Mann, der schon so oft aufgefallen war, nicht rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen?“, fragte die Schwester eines der Toten. Eine Angehörige eines anderen Opfers erklärte: „Es wird immer so getan, als bekämen wir alle erforderliche Hilfe. aber nichts davon ist wahr.“ In Hanau hatte der 43-jährige Tobias R. in den späten Abendstunden des 19. Februar zwei Bars angegriffen und neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Er und seine Mutter wurden im Anschluss in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Der Generalbundesanwalt sprach von einer „zutiefst rassistischen Gesinnung“ des Täters.

          Auch in rund 30 anderen deutschen Städten gedachten Tausende Menschen am Samstagnachmittag der Opfer von Hanau, unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main, Köln Leipzig, Stuttgart und München.

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