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Anschläge in Dresden : Provokation für aufgepeitschte Bürger

In Dresden verübten Unbekannte am Dienstag Sprengstoffanschläge auf das Internationale Congress Center und eine Moschee. Bild: Reuters

Am Montag wird in Dresden der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Und der „Tag der offenen Moschee“. Das scheinen viele Deutsche als Zumutung zu empfinden.

          Wie um die Erfolgsmeldungen zum Jubiläum der Islamkonferenz zu dementieren, haben Extremisten in Dresden zwei Sprengstoffanschläge verübt. Einer davon traf eine Moschee. Dresden, Pegida, Islamophobie – es ist einfach, darin eine zwangsläufige Abfolge zu erkennen. Traurige Wahrheit ist, dass solche Anschläge keine sächsische, keine ostdeutsche Eigenart sind, sondern auch im Westen vorkommen. Eine Woche vor dem Tag der Deutschen Einheit, der in Dresden gefeiert werden soll, wirken die Anschläge außerdem so, als richteten sie sich auch dagegen, dass muslimische Gemeinden den deutschen Nationalfeiertag für den „Tag der offenen Moschee“ ausgewählt haben. Viele Deutsche, zumal die aufgepeitschten unter ihnen, sehen darin nicht etwa ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung ihrer Nation durch muslimische Einwanderer, sondern vielmehr eine Gegenveranstaltung, eine religiös-kulturelle Provokation. Warum?

          Die Islamkonferenz war vor zehn Jahren eine christlich-demokratische Antwort auf multikulturelle und nationalistische Ambitionen. Die Union hatte diese Aufgabe aus ihrer eigenen Entstehung abgeleitet. Wer nach Kulturkampf, Diktatur und Weltkrieg politischen Protestantismus und Katholizismus versöhnt hatte, der musste auch die Expertise für die Integration islamischer Konfessionen entwickeln können. Daraus sprach das Selbstvertrauen in die Leistungen Deutschlands, die den Zivilisationsbruch des Holocausts überdauerten, im Unterschied zum multikulturellen Relativismus, für den das Deutsche unter Generalverdacht steht, und im Unterschied zum Nationalismus, der von deutscher Exklusivität träumt. Das Ergebnis der Konferenz war vorgezeichnet: Maßstab nationaler Gemeinschaft ist das Grundgesetz, Motoren sind seine Institutionen, zuallererst die Schulen.

          Ergebnis ist aber auch, dass das nur der Anfang ist – und die Union nicht unbedingt nur Brücken baut. Einwanderer beklagen die „Islamisierung“ ihrer Herkunft, wie umgekehrt eine radikale Partei Zulauf hat, die sich gegen die „Islamisierung“ Deutschlands wendet. Islamverbände haben ihre Rolle nicht etwa gefunden, sondern radikalisieren sich in Teilen. Ob „Integration“ gelingt und Deutschland bleibt, was es ist, steht in den Sternen. Grund zum Pessimismus ist das nicht. Es sollte aber Anlass sein, den Tag der Einheit gegen alle zu wenden, die daraus einen Tag der Gegensätze machen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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