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Anonyme Samenspende : Höchstpersönlich

Bei anonymen Samenspenden und Geburten wird die Rechnung ohne das Kind gemacht. Es hat ein Recht darauf, seine leibliche Herkunft zu erfahren. Die Kenntnis davon gehört ohne Zweifel zum Kern der eigenen Persönlichkeit.

          Technisch ist vieles machbar. Aber nicht menschlich. Zeugung, Geburt, Elternschaft - das alles ist zutiefst intim. Nun ist es gerade der sehr menschliche Wunsch nach Nachkommen, der daraus ein Geschäft macht. Aber bei anonymen Samenspenden und Geburten wird die Rechnung ohne das Kind gemacht. Es hat - wie das Bundesverfassungsgericht in anderem Zusammenhang festgestellt hat - ein Recht darauf, seine leibliche Herkunft zu erfahren.

          Daraus können natürlich neue Friktionen entstehen; so kann etwa das Verhältnis zum rechtlichen Vater belastet werden. Auch Streitigkeiten über Unterhalt sind nicht ausgeschlossen.

          Wer keinen Anhaltspunkt hat, an seiner Herkunft zu zweifeln, der stellt keine Fragen, gewiss. Doch der Mensch neigt dazu, sich mit zunehmendem Alter seiner Wurzeln zu besinnen.

          Deshalb muss am Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung festgehalten werden. Das gehört ohne Zweifel zum Kern der eigenen Persönlichkeit - genauso wie das Recht, inwiefern man davon Gebrauch macht. In solchen Lebensfragen gibt es keine Stellvertretung.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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