https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/anne-brorhilker-ist-olaf-scholz-im-cum-ex-skandal-auf-den-fersen-18253672.html

Staatsanwätin Anne Brorhilker : Diese Frau ist Olaf Scholz auf den Fersen

Ermittelt seit fast zehn Jahren im größten deutschen Steuerhinterziehungsskandal: Anne Brorhilker Bild: dpa

Anne Brorhilker ist das Gesicht des Staates im Kampf gegen organisierte Steuerhinterziehung. Ohne die Staatsanwältin aus Köln wären die Vorwürfe gegen Olaf Scholz im Cum-ex-Skandal womöglich nie aufgearbeitet worden.

          2 Min.

          Juristen beginnen im Studium mit vielen Theorien. Und so weiß Anne Brorhilker, Oberstaatsanwältin aus Köln, dass es für jede kausale Handlung und Zurechnung wieder eine andere Lehre und Sichtweise gibt.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch abstrakte Theorienstreitigkeiten hat die Strafverfolgerin, die vor Kurzem ihren 49. Geburtstag beging, längst hinter sich gelassen. Für sie sind die Koordination und der Zugriff bei Cum-ex-Ermittlungen deutlich erfüllender. Wenn die mittlerweile an die 30 Staatsanwälte ihrer Abteilung zusammen mit Beamten der Landeskriminalämter und IT-Fachleuten bei Banken, Kanzleien und wie im Fall von Hamburg bei der Finanzverwaltung anrücken, ist Brorhilker in aller Regel mit vor Ort. Die Prominenz und der hohe Aufwand solcher Aktionen sind natürlich dem größten Steuerhinterziehungsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte geschuldet, in dem Brorhilker seit bald einem Jahrzehnt ermittelt.

          Laufbahn zeigte in andere Richtung

          Dabei hatte die bald 20 Jahre andauernde Laufbahn der gebürtigen Westfälin längst in eine andere Richtung gezeigt. Der Betrug bei Sozialabgaben in der Baubranche prägte ihren Behördenalltag. Durch Zufall stieß sie im Jahr 2013 auf ein Schreiben des Whistleblowers Eckart Seith: Der Stuttgarter Anwalt beriet Drogeriekönig Erwin Müller, der sich von der Schweizer Bank Sarasin in Aktiengeschäften geprellt fühlte. Seith warnte die deutschen Behörden vor Cum-ex. Brorhilker tauchte ein in die kriminellen Konstrukte der Privatbanken, Aktienhändler, Leerverkäufer und Top-Wirtschaftskanzleien – und beschäftigt sich bis heute ausschließlich mit Cum-ex-Straftaten.

          Man kann sagen, dass die zierliche Frau das Gesicht des Staates im Kampf gegen organisierte Steuerhinterziehung in Deutschland ist. Und dass die Vorwürfe einer möglichen politischen Einflussnahme auf die Hamburger Finanzverwaltung mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne die tatkräftige Anklägerin nie aufgearbeitet worden wären.

          Was sie vom passiven Umgang der Steuerbehörden mit der Hamburger Privatbank M.M. Warburg hält, hat Brorhilker bereits im vergangenen Jahr kundgetan. „Dass hier Scheinrechnungen von Privatbank zu Privatbank geschrieben werden, kenne ich nur aus dem Gerüstbau“, sagte sie als Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss. Damit untermauerte sie ihre Zweifel an den Vorkommnissen im Herbst 2016. Erst vor wenigen Wochen hat ihre Behörde Anklage gegen den Warburg-Bankier Christian Olearius erhoben. Auch die nun bekannt gewordenen Mail-Durchsuchungen im engsten Umfeld von Bundeskanzler Olaf Scholz gehen auf die Hauptabteilungsleiterin aus Köln zurück.

          Alles das macht deutlich: Anne Brorhilker ist noch längst nicht am Ende ihres Wegs angekommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wladimir Putin beim informellen GUS-Gipfel in Sankt Petersburg

          Wladimir Putin wird 70 : Ein einsamer Tag voller Arbeit

          Der Jubeltag des Präsidenten sollte ein ganz normaler Tag sein. Die Armeeführung ist bemüht, „zurückgeschlagene Angriffe“ und „vernichtete“ ukrainische Soldaten zu vermelden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.