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Werkzeug oder Leidenschaft? : Warum Politiker Bücher schreiben

Annalena Baerbock hat ein Buch veröffentlicht - nicht zufällig kurz vor Bekanntgabe ihrer Kanzlerkandidatur. Bild: PublicAd

Viele Politiker versuchen sich auch als Autoren. Manche schreiben einfach gerne, andere haben eine Geschichte zu erzählen. Bei Annalena Baerbock scheint die Motivation jedoch noch etwas anders zu liegen.

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          Als Thomas de Maizière noch Minister war, hatte er kaum Zeit, um Bücher zu lesen. Er bekam zwar oft welche ge­schenkt, zum Beispiel die neue Bismarck-Biographie oder Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ über Europas Weg in den Ersten Weltkrieg. Die hätten ihn schon interessiert. Aber de Maizière las lieber Romane. Sachbücher schaffte er nebenher einfach nicht. Und ein eigenes Buch zu schreiben schon gar nicht.

          Friederike Haupt
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Er tat es dann aber doch. Allerdings erst, als er kein Minister mehr war. Es ist eine andere Art von Buch als das von Annalena Baerbock. Nicht nur, weil er sich Zeit nahm und alleine schrieb. De Maizières Buch hätte gar kein anderer schreiben können. Es enthält Anekdoten aus seinem politischen Leben und Schlüsse darauf, wie Politik funktioniert. Der Sound war nicht Parteitagsrede, sondern Abend am Kamin. De Maizière hatte sich als Leser den typischen „Tagesschau“-Gucker vorgestellt, der einen Satz hörte wie „Der Koalitionsausschuss tagte bis in die Nacht“ und nicht wirklich verstand, was da passierte. Tatsächlich lasen dann nicht nur solche Leute das Buch. Auch Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten und Abgeordnete selbst sprachen de Maizière darauf an. Sie hätten diese oder jene Sache jetzt zum ersten Mal verstanden.

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