https://www.faz.net/-gpf-afu67
Jasper von Altenbockum (kum.)

Impfpflicht : Falsche Rücksicht

Mobiler Impfbus in Empelde in Niedersachsen; er gehört zur Impfaktionswoche #HierWirdGeimpft Bild: dpa

Frankreich macht es vor: Die Impfquote steigt, wenn die richtigen Anreize gesetzt werden. Annalena Baerbock springt auf den Zug jetzt auf.

          1 Min.

          Der Damm ist endlich gebrochen: Annalena Baerbock hat ihre beiden Konkurrenten am Sonntagabend damit überrascht, dass sie für eine Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen plädiert. Bei der ersten Dreierrunde war das noch anders. Alle drei Kanzlerkandidaten waren sich da einig, dass es generell keine Impfpflicht geben solle. Es wird jetzt wohl nicht mehr lange dauern, bis diese Front weiter bröckelt, und zwar aus dem banalen Grund, weil niemand mehr so richtig versteht, warum es sie je gab.

          Keine Impfpflicht für Pflegepersonal, in Krankenhäusern, Kitas, Schulen, für Ärzte (womöglich auch noch dieselben Ärzte, die impfen)? Baerbock hat recht: Was für Bundeswehrsoldaten, die an allen Ecken und Enden in der Pandemie mit anpacken mussten, als selbstverständlich vorausgesetzt wird, kann für solche Berufsgruppen keine Zumutung sein. Es wäre falsche Rücksicht. Frankreich geht seit mehreren Wochen einen anderen Weg – und hat Erfolg damit.

          Gehen die Grünen damit ein Risiko ein? Es ist ein gutes Mittel für sie, zum Fürsprecher der Mehrheit zu werden, die alles richtig gemacht hat. Die Impf-Aktionswoche der Bundesregierung (warum nur eine Woche?) wird nichts daran ändern, dass zur Freiwilligkeit dieser staatliche Druck kommen muss.

          Auf deutlich über 80 Prozent wird sich die Impfquote nur bringen lassen, wenn mit dem Nachweis der Impfung ein klarer Vorteil, nämlich der Abschied vom Corona-Regime, sprich: Normalität verbunden ist. Der politische Erfindungsreichtum ist groß, um eine Impfpflicht doch noch zu umgehen. Der Alltag läuft aber ohnehin darauf hinaus.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Weitere Themen

          Klarer Sieg für Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern Video-Seite öffnen

          Landtagswahl : Klarer Sieg für Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern

          Triumph für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kommt ihre SPD ersten Prognosen zufolge auf 37 Prozent der Stimmen. Schwesig kann sich ihren künftigen Koalitionspartner aussuchen.

          Topmeldungen

          Landtagswahl : SPD deklassiert in Mecklenburg-Vorpommern alle anderen

          In Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD die Landtagswahl klar gewonnen. Mit wem sie künftig regieren möchte, will Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aber noch nicht verraten. Die CDU, ihr bisheriger Koalitionspartner, erlebt eine Schlappe.

          Schwierige Startbedingung : Wahlsieger ohne Geld für Neues

          Die Finanzlage des Bundes ist desolat, ein Kassensturz geboten. Wenn nach Sondierungsrunden die Koalitionsverhandlungen beginnen, hat ein nüchterner Kassensturz das Zeug, viele schöne Träumen abrupt zu beenden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.