https://www.faz.net/-gpf-9m4gp

Attentäter von Berlin : Anis Amri war Teil eines europaweiten Terroristennetzes

  • Aktualisiert am

Anis Amri in einem am 23. Dezember 2016 veröffentlichten Propagandavideo der IS-nahen Amaq News Agency Bild: AFP

Der Tunesier stand offenbar auch in engem Austausch mit Hintermännern der Anschläge von Paris 2015. Nach Überzeugung der Ermittler schmiedete er mehrmals Terrorpläne mit anderen Terroristen.

          Ermittlungen in Deutschland, Frankreich und Belgien werfen einem Bericht der Zeitschrift „Spiegel“ zufolge ein neues Licht auf den Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri. Der Tunesier sei in ein europaweites Netz von Anhängern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) eingebunden gewesen, berichtet der „Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf Unterlagen des Generalbundesanwalts und des Bundeskriminalamts. Demnach reichten die Verbindungen bis zu Hintermännern der Anschläge von Paris 2015.

          Nach Überzeugung der Ermittler schmiedete Amri mehrmals Terrorpläne mit anderen Dschihadisten, wie es weiter hieß. Im Jahr vor dem Anschlag in Berlin Ende 2016 habe er gleichzeitig in Kontakt mit vier Mitgliedern des IS in Libyen gestanden.

          Entscheidende Erkenntnisse stammen demnach von einem französischen Terrorverdächtigen namens Clément Baur, dessen Gespräche mit Besuchern im Gefängnis monatelang überwacht wurden. Im August 2018 deutete er laut der Ermittlungsakten an, dass es ursprünglich einen Plan zeitgleicher Anschläge in Deutschland, Belgien und Frankreich gegeben habe. Diesen hätten er, Amri und womöglich weitere Männer ins Auge gefasst. „Wir sollten in Berlin, Paris und Brüssel zuschlagen“, sagte Baur laut den Gesprächsprotokollen.

          Die abgehörten Gespräche belegen laut „Spiegel“, dass Baur vielfältige Verbindungen zu Dschihadisten in Frankreich und Belgien hatte. Demnach offenbarte er, dass er den Drahtzieher der Anschläge von Paris am 13. November 2015 kannte, Abdelhamid Abaaoud.

          Aufgrund der heimlichen Aufzeichnungen glauben die Ermittler auch, dass Baur nur wenige Tage vor den Attentaten in Paris am 13. November 2015 bei einem Islamisten unterkam. Dieser habe den Sprengstoff hergestellt, mit dem sich die Attentäter während des Fußballländerspiels Frankreich gegen Deutschland in die Luft sprengten.

          In Vernehmungen räumte der Franzose ein, mit Amri über einen möglichen Anschlag in Deutschland gesprochen zu haben. Der Lkw-Anschlag von Nizza vom Sommer 2016 habe Amri „fasziniert“.

          Knapp ein halbes Jahr später raste Amri mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Dabei wurden zwölf Menschen getötet.

          Weitere Themen

          Rentner hoffen auf seine Wiederwahl Video-Seite öffnen

          Trump im „Swingstate“ Florida : Rentner hoffen auf seine Wiederwahl

          Der amerikanische Präsident will bei einem Auftritt in Florida seine Bewerbung um eine zweite Amtszeit verkünden. Florida gilt als Rentnerparadies, unter ihnen hat Trump viele Anhänger. Des Weiteren kommt dem Bundesstaat eine besondere Rolle zu.

          Ein schlimmer Verdacht

          Fall Lübcke : Ein schlimmer Verdacht

          Die Behörden gehen im Mordfall Lübcke davon aus, dass der Täter aus dem rechtsextremen Milieu stammt und seine Tat langfristig plante. Das weckt Erinnerungen an die Morde des NSU.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.