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Angst vor den Risikogebieten : Sind verpflichtende Corona-Tests überhaupt sinnvoll?

Das Aufkommen an den deutschen Flughäfen hat wieder zugenommen. Wer zurückkehrt, wird bald zum einem Test verpflichtet. Bild: dpa

Reisende aus Risikogebieten sollen bald zu Tests verpflichtet werden. Daten zeigen: Rückkehrer aus dem Ausland schleppen das Coronavirus tatsächlich zunehmend ein. Ein Überblick in Grafiken.

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          An den deutschen Flughäfen werden die ersten Vorbereitungen getroffen. Von der kommenden Woche an soll es voraussichtlich verpflichtende Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten geben. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor kurzem angekündigt. Als Risikogebiete gelten Regionen und Länder, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Auswärtigen Amt und dem Bundesinnenministerium bestimmt werden. Doch sind diese verpflichtenden Tests überhaupt sinnvoll?

          Tim Niendorf

          Politikredakteur.

          Fest steht: Die Urlaubssaison ist in vollem Gange. Mit Baden-Württemberg hat seit Donnerstag auch das letzte Bundesland Schulferien. In anderen Bundesländern sind diese schon vorher angelaufen, in Mecklenburg-Vorpommern enden sie bereits am 1. August wieder. Am 15. Juni hat die Bundesregierung die Reisewarnung für die meisten Länder Europas aufgehoben. Seither reisen die Deutschen wieder vermehrt ins Ausland. Viele fragen sich nun: Kommt die Testpflicht nicht zu spät?

          Erreichen die Pflichttests die Richtigen?

          Die Aufhebung der Reisewarnung fiel in Kalenderwoche 25. Ein Blick auf Daten des RKI zeigt: Seither steigt der Anteil der Neuinfektionen mit Ursprung im Ausland wieder an. Das ist zunächst wenig verwunderlich, denn zuvor waren die Reiseaktivitäten nahezu zum Erliegen gekommen.

          Doch in den vergangenen vier Kalenderwochen geht die Kurve steil nach oben. Zuletzt wurde in etwa 60 bis 70 Prozent der gemeldeten Fälle ein Ansteckungsort angegeben. Mitte Juni, also in dem Moment, als die ersten Reisewarnungen aufgehoben wurden, hatten nur etwas mehr als zwei Prozent dieser Fälle ihren Ursprung im Ausland.

          Zuletzt war es schon jede fünfte an das RKI gemeldete Neuinfektion (18,5 Prozent), bei der ein Ansteckungsort angegeben wurde. Mehrfachnennungen sind zwar möglich, in den vergangenen zwei Wochen habe es aber lediglich zwei solcher Fälle gegeben, wie eine Mitarbeiterin des RKI sagt.

          Vor diesem Hintergrund der sprunghaft ansteigenden Kurve der Infektionen mit einem Ursprung außerhalb Deutschlands wirkt die Anordnung Spahns, Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend zu machen, verständlich.

          Ohnehin geht derzeit in Deutschland die Angst vor einer zweiten Welle um. Zuletzt waren wieder vermehrt Neuinfektionen gemeldet worden. Derzeit sind etwa 6894 Menschen an Covid-19 erkrankt (Stand 31. Juli), 14 Tage zuvor waren es 4861 Menschen. Anfang April lag die Zahl der aktuell Erkrankten noch bei weit mehr als 60.000.

          Von den aus dem Ausland eingeschleppten Neuinfektionen stammen tatsächlich die meisten aus einem der sogenannten Risikogebiete. Nicht nur Spahn, auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich für die verpflichtenden Tests stark gemacht. „Meine Sorge ist nicht, dass es ein großes Ischgl gibt, sondern viele Mini-Ischgls“, sagte er vor wenigen Tagen. Von dem österreichischen Ferienort Ischgl aus hatten Urlauber das Virus zu Beginn der Corona-Krise nach Deutschland mitgebracht, was die Zahlen sprunghaft ansteigen ließ. Geht es nach manchen Politikern wie Spahn und Söder, soll ein solcher Fall in Zukunft unter anderem durch die Tests verhindert werden.

          Das Bundesland Bayern etwa hat am 28. Juli beschlossen, an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen Teststationen einzurichten. Auch sollen Teststationen an drei Autobahngrenzübergängen zu Österreich sowie an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg entstehen. Doch werden überhaupt jene mit dem Pflichttest erreicht, die am dringendsten getestet werden sollten? An den Flughäfen dürfte es vergleichsweise einfach sein, Urlaubsrückkehrer zu den Testzentren zu leiten. Wie aber sieht es mit Zugreisenden und Autofahrern aus?

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