https://www.faz.net/-gpf-8hkv4

Angriff mit Torte : Linke verteidigt Wagenknecht

  • Aktualisiert am

Schützend stellen sich die Parteivorsitzende Katja Kipping (l.) und der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dietmar Bartsch, vor ihre getroffene Parteigenossin Bild: dpa

Den Tortenwurf auf Sahra Wagenknecht verurteilt ihr Ko-Fraktionschef als asozial, hinterhältig und dumm. Der Parteitag steht jedoch im Zeichen der Auseinandersetzung mit der AfD.

          Auf dem Linke-Parteitag in Magdeburg ist Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht Opfer eines Tortenangriffs geworden. Die 46 Jahre alte Wagenknecht bekam von einem jungen Mann am Samstag eine Torte mitten ins Gesicht geschleudert. Eine selbst ernannte „Antifaschistische Initiative“ begründete dies mit ihrem Kurs in der Flüchtlingspolitik. Die anderen Mitglieder der Linke-Führung nahmen Wagenknecht gegen die Vorwürfe in Schutz.

          Der Angriff auf die Ehefrau des ehemaligen Parteichefs Oskar Lafontaine überschattete den Auftakt des Parteitags mit etwa 600 Delegierten. Wichtigster Tagesordnungspunkt sind die Vorstandswahlen. Die beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger, die seit vier Jahren an der Spitze stehen, wollen die Linke auch ins Bundestags-Wahljahr 2017 führen. An ihrer Bestätigung gab es keine Zweifel.

          Wagenknecht wurde von der Attacke überrascht, als sie in der ersten Reihe Riexingers Eröffnungsrede zuhörte. Der Mann warf ihr die braune Cremetorte aus unmittelbarer Nähe mitten ins Gesicht. Kipping und Ko-Fraktionschef Dietmar Bartsch schirmten Wagenknecht umgehend ab. Bartsch begleitete sie dann aus der Halle. Wagenknecht fuhr zurück in ihr Hotel, wo sie sich umzog.

          Später brandmarkte sie den Tortenangriff auf sie beim Magdeburger Parteitag als „saudämliche Aktion“. Sie werde sich durch solche Aktionen nicht davon abhalten lassen, sich weiter für die Linke zu engagieren, sagte sie.

          Am schlimmsten sei es für sie, dadurch mit jemandem wie der AfD-Vizechefin Beatrix von Storch auf eine Stufe gestellt zu werden, fügte Wagenknecht hinzu. Das zeige, „dass hier völlige politische Analphabeten am Werk waren“.

          Der Tortenwerfer wurde noch am Nachmittag von der Polizei vernommen und wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen den 23 Jahre alten Mann aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt) wird nun wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Linke-Politikerin selbst lässt noch offen, ob sie Strafanzeige stellt.

          Tat gerichtet gegen „nationalen Konsens“

          Nach Angaben einer Parteisprecherin wurde Anzeige gegen eine Frau und einen Mann erstattet. Der Sicherheitsdienst habe die Täter, die augenscheinlich aus „linken Strukturen“ stammten, vom Gelände verwiesen. Sie seien als Pressevertreter angemeldet gewesen. Zu der Attacke bekannte sich eine „Antifaschistische Initiative – Torten für Menschenfeinde“. Nach Angaben der Polizei wurde der mutmaßliche Tortenwerfer am Nachmittag noch vernommen.

          Auf Flugblättern verglichen die Aktivisten Wagenknecht mit der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die im Februar ebenfalls mit einer Torte beworfen worden war. Zwischen der Alternative für Deutschland (AfD) und der Linken gebe es einen „nationalen Konsens“. Wagenknecht hatte Kritik auf sich gezogen mit der Position, nicht alle Flüchtlinge könnten nach Deutschland kommen.

          Riexinger, Kipping und Bartsch nahmen die Fraktionsvorsitzende in Schutz. Kipping sagte: „Das war nicht nur ein Angriff auf Sahra, das war ein Angriff auf uns alle.“ Bartsch meinte: „Das ist nicht links, das ist auch nicht antifaschistisch. Das ist asozial, das ist hinterhältig, das ist dumm.“ Wagenknecht selbst äußerte sich zunächst nicht. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa hatte sie aber zuvor schon Kritik an ihren Äußerungen zurückgewiesen. Es sei eine „Banalität“, dass die Aufnahme-Kapazitäten nicht unbegrenzt seien.

          Wahlen waren eine „schwere Niederlage“

          Mit dem Parteitag will sich die Linke – größte Oppositionspartei im Bundestag – für die Bundestagswahl im Herbst 2017 rüsten. Riexinger hielt der großen Koalition vor, nichts gegen soziale Spaltung zu unternehmen. Entscheidende Frage sei: „Wird der Kapitalismus immer autoritärer oder schaffen wir es, den Neoliberalismus und den Rechtspopulismus beiseite zu schieben?“ Riexinger bezeichnete die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen als „schwere Niederlage“. Die Linke hatte dabei massiv Wähler verloren, auch an die AfD. Die für Sachsen-Anhalt gehegte Hoffnung auf einen zweiten linken Ministerpräsidenten erfüllte sich nicht. Der ehemalige Fraktionschef Gregor Gysi hielt seiner Partei diese Woche vor, „saft- und kraftlos“ geworden zu sein.

          Gysi – immer noch der prominenteste Linke-Politiker – verzichtete auf die Reise nach Magdeburg. Begründet wurde dies damit, dass er nicht genügend Redezeit versprochen bekam. Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte seine Teilnahme ebenfalls ab, wegen einer Erkrankung. In den Umfragen liegt die Linke derzeit bundesweit bei acht bis zehn Prozent, hinter der AfD.

          Weitere Themen

          Grenzenlose Großfamilien

          FAZ Plus Artikel: Organisierte Kriminalität : Grenzenlose Großfamilien

          Kriminelle Großfamilien agieren weit über die lokalen Stadtgrenzen hinaus, ihre Verbindungen reichen bis ins Ausland. Nun will das BKA stärker gegen Clan-Kriminalität vorgehen – und deren Netzwerke genau unter die Lupe nehmen.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Organisierte Kriminalität : Grenzenlose Großfamilien

          Kriminelle Großfamilien agieren weit über die lokalen Stadtgrenzen hinaus, ihre Verbindungen reichen bis ins Ausland. Nun will das BKA stärker gegen Clan-Kriminalität vorgehen – und deren Netzwerke genau unter die Lupe nehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.