https://www.faz.net/-gpf-9icsj
Bildbeschreibung einblenden

Hacker-Angriff : Digitale Verletzlichkeit unserer Demokratie

Noch ist nicht bekannt, wer als „G0d“ den Angriff auf sensible Daten von politischen Personen geplant und ausgeführt hat. Bild: dpa

Die Veröffentlichung von sensiblen Daten politischer Personen wird zurecht als ein Angriff auf die Demokratie bezeichnet – der uns, frei von Gewöhnungseffekten, einmal mehr unsere digitale Verletzlichkeit vor Augen führen sollte. Ein Kommentar.

          Es mag sehr viel dafür sprechen, dass es sich bei der Zurschaustellung privater Dokumente und Daten von Mandatsträgern, anderen Politikern und Personen des öffentlichen Lebens nicht um klassisches Hacken, sondern „nur“ um die „Fleißarbeit“ eines oder mehrerer sammelwütiger Datendiebe handelt. Noch ist nicht sicher, aus welchen Quellen oder Netzwerken die Daten stammen, geschweige denn, wer dahintersteckt – organisierte Kriminalität, politische Extremisten oder gar Staaten wie Russland oder China, wie sogleich geraunt wurde. Wie so oft in solchen Fällen lassen sich Spuren gut verwischen, und man erfährt nie ganz sicher, wer es war. Der oder die Täter können auf diese Weise nicht dingfest gemacht werden, zeigen aber, was sie anrichten können, oder können buchstäblich Kapital daraus schlagen. Denn selbst wenn die erbeuteten Daten keine „sensiblen“ Informationen enthalten sollten, birgt jeder Hacker-Angriff ein Erpressungspotential.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Das macht diesen Angriff aber zu dem, was zu Recht am Freitag als Angriff auf das Parlament und damit auf die Demokratie bezeichnet wurde. Zumal dann, wenn vor allem Abgeordnete des Deutschen Bundestags betroffen sind. Dass er so lange zumindest in der Öffentlichkeit unerkannt blieb, lässt sich darauf zurückführen, dass es wirklich niemand gemerkt haben könnte (bis auf die Sicherheitsbehörden, möchte man hoffen). Einzelne Reaktionen Betroffener lassen aber auch darauf schließen, dass dazu ein fortgeschrittener Gewöhnungseffekt beigetragen hat – nichts Neues, es passiert täglich, hatten wir schon. Gelassenheit ist zwar nie ein schlechter Ratgeber, allerdings ist sie in diesem Fall gespielt. Denn niemand kann ein Interesse daran haben, dass die Schutzlosigkeit der Privatsphäre vorgeführt wird. Misstrauen, Einschüchterung und Verunsicherung sind die Folge und das Ziel solcher digitalen Zersetzungskampagnen.

          Dass kein AfD-Politiker betroffen ist, wie am Freitag besonders häufig erwähnt wurde, lässt sich so oder so deuten: Stecken die Täter mit ihnen unter einer Decke, oder wollten sie den Verdacht auf sie lenken? Cyberangriffe wie dieser gehören jedenfalls zur Kriegsführung einer politischen Haltung, die dem Freund-Feind-Schema gehorcht. Im Zeitalter der Internetkriminalität sind die Sympathisanten verfassungsfeindlicher Kräfte zwar wie digitale Partisanen unterwegs und deshalb kaum zu fassen. Aber meist hilft schon die Frage: Cui bono?

          Weitere Themen

          Was dürfen Wölfe fressen?

          Artgerechtigkeit : Was dürfen Wölfe fressen?

          Schafe und Wölfe sollen jetzt gleichermaßen durch Zäune geschützt werden. Doch das wird den Streit über die fleischfressenden Einwanderer wohl auch nicht beenden. Über die Lebenserwartung von Wölfen kann ein Kuchen entscheiden.

          EU will bis 2050 klimaneutral werden Video-Seite öffnen

          Gipfeltreffen in Brüssel : EU will bis 2050 klimaneutral werden

          Im Kampf gegen den Klimawandel will sich der EU-Gipfel auf das Ziel festlegen, bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Im letzten Entwurf für das Treffen der Staats- und Regierungschefs ist der Termin erstmals genannt.

          Topmeldungen

          Nicht zu stoppen: Boris Johnson

          May-Nachfolge : Johnson auch in vierter Auswahlrunde klar vorn

          Boris Johnson hat auch die vorletzte Auswahlrunde bei den britischen Konservativen gewonnen. Innenminister Sajid Javid schied aus. Noch heute folgt die letzte Abstimmung bei den Tory-Abgeordneten.
          Europäisches Tandem: Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian (links) und sein deutscher Amtskollege Heiko Maas am Mittwoch in Paris

          Plan wider die Lähmung : So wollen Maas und Le Drian Europa stärken

          Das deutsch-französische Tandem stockt. Die Außenministerien in Berlin und Paris haben hinter den Kulissen ein Programm entwickelt, wie es künftig besser laufen kann – und Europa handlungsfähiger werden soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.