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Angriff auf Parteiführung : Wo es in der CDU wegen Merz brodelt

Viel Zuspruch: Merz beim CDU-Wirtschaftsrat Hessen in Kloster Eberbach am Dienstagabend Bild: Lucas Bäuml

Die Angriffe von Friedrich Merz gegen das „Partei-Establishment“ nehmen ihm viele in der CDU übel. Bei anderen, die sich schon länger über Berlin und Angela Merkel ärgern, trifft er auf offene Ohren.

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          Nach all dem Unrecht, das ihm vermeintlich in Berlin widerfuhr, hätte sich Merz kaum eine Runde suchen können, die ihm wohlgesinnter ist. Wie ein Heilsbringer wird er empfangen. Am Ende applaudieren ihm die Vertreter des hessischen CDU-Wirtschaftsrats im Kloster Eberbach am Dienstagabend stehend. Merz erklärt ihnen rund anderthalb Stunden lang die großen Konfliktlinien in einer „außergewöhnlichen Zeit“, spricht über Amerika und China und den schrumpfenden Einfluss Europas. Die Pandemie nennt er „beherrschbar“, Deutschland habe „zu keinem Zeitpunkt“ die Kontrolle verloren, es gelte, „nicht zu übertreiben in der Darstellung der Probleme“. Es ist ein sehr selbstbewusster Auftritt, bei dem Merz auch innenpolitische Akzente setzt, etwa beim Thema Einwanderung: Den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ habe er „nicht akzeptiert“, sagt er. Sechs Millionen Muslime, überwiegend mit deutschem Pass, seien „Teil der Bundesrepublik Deutschland. Und jetzt kommt das Aber. Dies gilt nur so lange, wie sie auch bereit sind, sich an unsere Tradition, sich an unsere Regeln, an unsere Verfassungsordnung zu halten.“ Jubel unter den hessischen Unternehmern.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auch als Merz seine Kritik an der Verschiebung des CDU-Bundesparteitags bekräftigt, ertönt viel Zuspruch. Es wäre gut, wenn die CDU „mit einem entschiedenen Votum in das Jahr 2021 geht“, es gebe „nicht mehr viel Zeit“, sagt Merz. Derzeit genieße seine Partei von dem „ohnehin nicht sehr veränderungsbereiten Volk der BRD“ hohe Zustimmungsraten aufgrund des Vertrauens in die Bundeskanzlerin. Im kommenden Jahr aber drohe ein „Filmriss“. Merz kündigt an, „sobald ich als Parteivorsitzender gewählt worden bin“, die CDU-Zentrale zu einer Art „Thinktank“ zu machen.

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