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Attacke auf AfD-Politiker : Angriff von hinten

Bremen: Ein überdachter Durchgang führt zu einem Bremer Theater. Unbekannte hatten am 07.01.2019 den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz an dieser Stelle attackiert und schwer verletzt. Bild: Helmut Reuter/dpa

Am Montagabend wird der AfD-Politiker Frank Magnitz in Bremen bewusstlos geschlagen – ganz in der Nähe findet zur gleichen Zeit eine Gedenkveranstaltung von Linken statt.

          Frank Magnitz wird wohl keine bleibenden Schäden davontragen. Nachdem der AfD-Politiker am frühen Montagabend durch mindestens drei unbekannte Täter brutal bewusstlos geprügelt wurde, geht es dem Bundestagsabgeordneten und Bremer AfD-Landesvorsitzenden am Dienstagmittag bereits wieder „den Umständen entsprechend gut“, wie er der F.A.Z. am Telefon sagt.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Vermutlich bis zum Wochenende werde er aber noch im Krankenhaus bleiben müssen, erzählt der 66 Jahre alte Politiker. Magnitz hat, wie ein von der AfD verbreitetes Foto zeigt, eine tiefe Wunde auf dem Kopf, und ein Auge ist blau unterlaufen.

          Der Angriff auf Magnitz geschah am Montagabend gegen 17.20 Uhr. Der AfD-Politiker war zuvor Gast beim Neujahrsempfang der großen regionalen Zeitung „Weser-Kurier“ gewesen. Der Termin in der Bremer Kunsthalle zählt zu der Reihe von Empfängen, mit denen auch in einem kleinen Bundesland wie Bremen am Beginn eines neuen Jahres das politische Geschäft allmählich wieder Fahrt aufnimmt. Etwa fünf Minuten vor dem Angriff, schätzt Magnitz, habe er den Empfang in der Kunsthalle verlassen.

          Er sei aus dem Haupteingang des Museums herausgetreten, einige Meter über die belebte Straße „Am Wall“ gelaufen und dann auf dem Weg zu seinem in der Theatergarage geparkten Auto in einen dunklen und wenig frequentierten Weg abgebogen. Dort hätten ihn die Täter angegriffen. An die Attacke selbst kann sich Magnitz nicht erinnern – „das ist völlig weg“.

          Zu Bewusstsein sei er erst wieder gekommen, als er auf der Straße lag und ihn einer der beiden Handwerker ansprach, die ihm, so stellt es Magnitz dar, durch ihr Eingreifen das Leben gerettet haben. Magnitz bezeichnet die Tat als Mordversuch: Nach den ersten Polizeiangaben ist Magnitz von mindestens drei Tätern, die dunkel gekleidet gewesen seien und Kapuzen oder Mützen getragen hätten, mit einem unbekannten Gegenstand gegen den Kopf geschlagen worden. Später korrigierte die Polizei aufgrund von ausgewerteten Aufnahmen einer Überwachungskamera ihre Erkenntnisse. Sie geht demnach nicht mehr von der Verwendung eines Gegenstandes aus. Die Ermittlungen werden nun wegen des Verdachts einer gefährlichen Körperverletzung geführt. Magnitz hatte zunächst verbreitet – Bezug nehmend auf die angeblichen Einlassungen der Handwerker ihm gegenüber – dass auf ihn mit einem Kantholz eingeschlagen wurde.

          Frank Magnitz vermutet, dass seine Angreifer aus dem linken Spektrum kamen.

          Magnitz erzählt, bezugnehmend auf die Einlassungen der Handwerker ihm gegenüber, dass es sich bei dem Tatwerkzeug um ein Kantholz gehandelt habe. Die Handwerker hätten zudem erzählt, die drei Täter seien ihm, aus der belebten Straße kommend, gefolgt, seien dunkel gekleidet gewesen und hätten ihre Mützen oder Kapuzen bis tief ins Gesicht gezogen.

          Häufung von Attacken auf AfD

          Nach der Tat seien die Täter, so die Mitteilung der Polizei, in Richtung der wenig belebten Bleicherstraße nahe der Weser geflüchtet. Eine Fahndung blieb zunächst erfolglos, die Polizei sucht nun nach Zeugen, die Hinweise auf die Täter geben können. Die Polizei gelangte jedoch relativ rasch zu der Auffassung, dass die Tat politisch motiviert gewesen ist. Die Bremer Behörden bildeten am Montag eine Sonderkommission unter Führung des Staatsschutzes. Auch das Bundeskriminalamt ermittelt in dem Fall.

          Der Angriff auf Magnitz, der bei manchen als schillernd gilt und als Mitglied der DKP einst selbst extrem weit links stand, ist nicht die erste Attacke auf die AfD in Bremen. Der frühere AfD-Vorsitzende Bernd Lucke war bereits im Jahr 2013 in der Stadt mit Pfefferspray angegriffen worden.

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