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F.A.Z.-Machtfrage : Muss die CDU sich von Merkel trennen?

Wie viel Abgrenzung von Angela Merkel ist nötig für Armin Laschet, um die Konservativen in der CDU wieder zu begeistern? Bild: AP

Nicht erst nach der Bundestagswahl stellen sich für Armin Laschet entscheidende Fragen: Wie kann die CDU für Konservative eine Heimat bleiben – oder wieder eine werden? Und wie viel Abgrenzung von der Kanzlerin ist dafür nötig? Die F.A.Z.-Machtfrage.

          4 Min.

          Neulich, bei einer Grillparty, ging es mal wieder um Politik. Die Bräune der Würstchen war perfekt, der Wein gut gekühlt, die Analysen luzide: Die Grünen? „Das wird jetzt ganz schwer für die Annalena Baerbock!“ Die SPD? „Ich finde ja, der Olaf Scholz ist blass, aber vielleicht unterschätzt man den auch!“ Die CDU? „Der Armin Laschet hat sich gemacht, gegen den Söder sah der noch deutlich schwächer aus!“

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Grill und Würstchen waren irgendwann kalt, dafür stieg die Hitzigkeit der Debatte, als man sich Grundlegendem zuwandte: Wie wird das Land aussehen, wenn die Ära Merkel vorbei ist? Eine Frage, die vor allem die Jüngeren am Grill umtrieb, die kaum ein anderes Deutschland mehr kennen als eines, in dem eine evangelische Pfarrerstochter aus der Uckermark Bundeskanzlerin ist. Nicht minder hitzig wurde indes eine Frage diskutiert, die unmittelbar damit zusammenhängt: Wie wird die CDU nach Angela Merkel aussehen, und wofür wird sie stehen? Und wofür steht Armin Laschet, als Parteivorsitzender und vielleicht auch als künftiger Kanzler?

          Dass Parteien mit ihren großen Kanzlerpersönlichkeiten immer auch hadern, weil deren Erfolg und Stärke sie programmatisch zu entkernen droht, ist nicht neu. Die SPD tat das schon mit Willy Brandt und danach mit Helmut Schmidt und Gerhard Schröder; und auch der CDU ging es mit Helmut Kohl so, der nach 16 Jahren Kanzlerschaft eine verunsicherte Partei hinterließ, die sich erst wieder finden musste. Auch nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel ringt die CDU um ihre künftige Identität – und steht dabei als mutmaßlich letzte verbliebene Volkspartei vor einem Dilemma: Merkel hat die CDU nach links gerückt, „sozialdemokratisiert“, wie manche sagen – und war damit als Kanzlerin lange erfolgreich.

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          Gleichzeitig haben sich aber viele Konservative in der Partei enttäuscht abgewandt, weil sie den Markenkern, das Wertkonservative, nicht mehr spüren konnten. Atomausstieg, Ende der Wehrpflicht, Homo-Ehe, Flüchtlingskrise: Wovon Merkel wirklich zutiefst überzeugt und was nur pragmatische Reaktion auf den Zeitgeist war, blieb über die langen Jahre ihrer Kanzlerschaft meistens im Nebel verborgen. Umso mehr wünschen sich viele in der CDU, bei Armin Laschet künftig klarer zu sehen. Das ist vorläufig noch mit der Frage verbunden: Wie hältst Du’s mit Angela Merkel?

          Laschets Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer wurde in ihrer kurzen Zeit als Parteivorsitzender oft vorgeworfen, sie setze sich zu zaghaft ab von der Kanzlerin, die damals in Artikeln gern noch als AKKs „Vertraute“ bezeichnet wurde. Die Saarländerin scheue den Bruch, hieß es – dabei sei ein solcher Bruch doch zwingend, um die von den Merkel-Jahren enttäuschte konservative „Kernklientel“ wieder fester an die Partei zu binden und von Schwärmereien für vermeintliche „Alternativen“ abzuhalten. Das folgte der nachvollziehbaren Logik, dass ein neuer Parteivorsitz auch neue, eigene Akzente braucht – fast wie im Fußball, wo ein neuer Trainer alles machen darf, aber bloß nicht alles so wie sein Vorgänger.

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