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CDU-Kommentar : Ritt auf der Klinge

Wirft seinen Schatten voraus: Friedrich Merz (CDU), der als Merkels Nachfolger den CDU-Vorsitz übernehmen möchte. Bild: dpa

Die CDU zerfällt in zwei Lager. Wie viel für die Partei auf dem Spiel steht, zeigt nicht zuletzt die Wortmeldung von Wolfgang Schäuble, der sich klar hinter Friedrich Merz stellt.

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          So aufmunternd die Regionalkonferenzen und sonstigen Auftritte der drei Kandidaten für die Merkel-Nachfolge an der Parteispitze für die CDU auch sind, so klar ist doch auch, dass der eigentliche Wahlkampf um das Amt nicht auf offener Bühne, sondern zu großen Teilen „hinter verschlossenen Türen“ stattfindet. Es sollte nicht überraschen, wenn jeder der drei Kandidaten in den vergangenen Tagen und Wochen 1001 Telefonate geführt hat.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Für die CDU ganz untypisch ist etwas anderes: Normalerweise sind ihre Parteitage bis ins Letzte vorbereitet. Dieses Mal wird es so sein, dass sich ungewöhnlich viele der 1001 Delegierten erst in Hamburg hin oder her reißen lassen. Ein Wort, eine Rede kann den Ausschlag geben. Da das alle wissen, steigert sich die Nervosität der Lager von Tag zu Tag.

          Wer kann die Partei geeint nach oben führen?

          Es ist nicht zu übersehen, dass die CDU im Zuge des Verfahrens in zwei Lager zerfallen ist. Die Bataillone, die sich jetzt sammeln, sind etwa gleich stark, auch wenn Annegret Kramp-Karrenbauer von hoher Stelle – von Daniel Günther offen, von Armin Laschet nicht ganz so offen, von wieder anderen gar nicht offen – mehr Zuspruch erhält. Das und die Unangepasstheit der einen oder anderen Äußerung von Friedrich Merz wird dazu beigetragen haben, dass sich nun Wolfgang Schäuble zu Wort gemeldet hat – ein Zeichen dafür, wie knapp die Sache steht, vor allem aber dafür, was auf dem Spiel steht.

          Auch in früheren Entscheidungen ging es um die Kanzlerschaft. Jetzt aber geht es darum, ob die CDU Volkspartei bleibt oder sich auf Dauer mit dem zufrieden geben muss, was sie derzeit hat – eine Gratwanderung entlang der Existenzkrise.

          Was bedeutet es aber für CDU und CSU, wenn die Union sich einen solchen Ritt auf der Klinge leistet? Alle drei Kandidaten – nicht ohne Grund die beiden Favoriten mehr als Jens Spahn – beteuern, wie wichtig ihnen der Zusammenhalt der Partei sei. Denn sie wissen, dass nach dieser Wahl die jeweils unterlegene Hälfte der Mut verlassen könnte, Auflösungserscheinungen inklusive, bis hin zur Gemeinschaft mit der CSU.

          Es macht die Sache nicht leichter, dass unklar ist, wem es besser gelingt, die Partei geeint nach oben zu führen. Annegret Kramp-Karrenbauer, weil sie mehr Erfahrung hat? Oder Friedrich Merz, weil er ein breiteres Spektrum anspricht? Klar ist nur, dass die Kanzlerkandidatur in Hamburg noch nicht entschieden wird. Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich ein Dritter. Laschet fordert jetzt schon eine „neue Form“ der Kanzlerschaft. Er denkt wohl auch daran, dass sie ihm ähnlich sehen könnte.

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