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Merkel nach ihrem Urlaub : „Sie hat sich bemüht“

Es ist aber nicht so, dass Angela Merkel außerhalb ihres Wahlkreises übermäßig viel über ihn gesprochen hätte in den vergangenen Jahren. Oder über ihre ostdeutsche Herkunft gar. Anfang des Jahres sagt sie in einem Interview auf die Frage zu ihren Wurzeln: „Alle meine Wurzeln sind mir wichtig, die ostdeutschen gehören auch dazu. Weder trage ich sie den ganzen Tag vor mir her, noch verleugne ich sie.“ Am Dienstag sagt Merkel ein paar nette Worte zu ihrem Wahlkreis, dies sei hier ihre politische Heimat. Sie schätze auch, dass man hier nicht so viel ausplaudere. Das scheint ihr wichtig. Sie wiederholt es später sogar.

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Am Anfang und zwischendurch stellen im „Ozeaneum“ die Moderatoren ein paar Fragen, vor allem aber soll das Publikum zu Wort kommen. Die Fragen sollten vorher zur OZ geschickt werden, wurden ausgewählt und nun vorgetragen. Dabei ist die zweite nicht die einzige Frage zur Migrationspolitik. Als erstes steht ein Student auf und fragt sichtlich bewegt, wie es sein könne, dass noch immer so viele Menschen im Mittelmeer ertrinken müssten. Merkel sagt: „Das ist in der Tat ein sehr großes Problem“, Seenotrettung sei ein Gebot der Menschlichkeit. Applaus. Sie verweist dann aber auch auf die Zusammenarbeit mit den anderen Ländern, die Situation in Afrika und dass man es nicht zulassen dürfe, dass Schlepper und Schleuser die Oberhand gewönnen. Das sei sehr kompliziert und nicht zufriedenstellend im Moment, sagt sie dann noch.

Sonst spielen die Migration, die Wahlen im Osten, der mögliche Aufstieg der AfD, der Frust und all die Betrachtungen (des Westens) zu den Menschen im Osten kaum noch eine Rolle an dem Nachmittag in Stralsund. Ihre Partei stelle ein Angebot und werde dann mit dem Ergebnis leben, sagt Merkel und lobt die Wahlkämpfer und führt noch aus, dass sie von einer Minderheitsregierung in Berlin nicht viel hält. Sonst erfahren die Gäste, dass Merkel trotz einer drohenden Rezession im Augenblick nicht die Notwendigkeit für ein Konjunkturpaket sieht („Wir werden situationsgerecht agieren“). Dass sie glaube, dass die Besetzung der CDU-Vorsitzenden als neue Verteidigungsministerin deutlich mache, welches Gewicht man der Verteidigungspolitik beimesse.

Dass sie die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg für ein „außergewöhnliches Mädchen“ hält, die ein Beispiel dafür sei, was ein Mensch allein ins Rollen bringen könne. Und auch, wie sie zu einer Kohlendioxid-Steuer steht: „Wir werden eine Bepreisung von CO2 brauchen“, sagt Merkel und führt dann aus, dass sie den Handel mit Zertifikaten einer Steuer vorzieht. Als sie bei dem Thema Pflege, dass neben dem Klima die meiste Zeit in Anspruch nimmt, eine Frau fast flehentlich um Hilfe bittet, hakt Merkel mehrmals nach und sagt schließlich: „Ich nehme es auf und werde morgen früh schon versuchen, es einzuspeisen.“ Da tagt das Kabinett in Berlin. Da beginnen womöglich schon die unruhigen Zeiten.

Angela Merkel zu Besuch im Stralsunder „Ozeanum“ – und in Gesellschaft eines Pinguins

In Stralsund hingegen bleibt alles ganz ruhig, und auch die Kanzlerin erzählt noch ein wenig von sich. Nichts Neues freilich zu dem Zittern, dass sie noch vor der Sommerpause begleitet hatte bei drei öffentlichen Auftritten. Auch bleibt sie bei ihrer Aussage, dass sie nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt für kein politisches Amt mehr zu Verfügung steht: „Alles hat auch seine Zeit.“ Dafür erzählt sie aber, dass sie nie ein Haustier hatte, aber Tiere trotzdem sehr gerne mag. Selbst die Erdkröte habe etwas sehr Interessantes. Immer wieder gibt es ein paar Lacher und den größten ganz am Ende. Da fragt sie einer der Moderatoren, was die Stralsunder Schüler denn in 50 Jahren über sie in einem Schulbuch lesen sollten. Merkel sagt: „Sie hat sich bemüht.“

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