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Kanzlerin im F.A.Z.-Interview : „Eine Islamisierung Deutschlands sehe ich nicht“

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Eine solche Sprache ist abstoßend. Glücklicherweise ist sie für unser Land nicht repräsentativ. Für uns Politiker gibt es nur eines, und zwar eine möglichst gute Politik zu machen, mit konkreten Taten. Deshalb hat Innenminister de Maizière mit einigen unserer Nachbarländer Abkommen zur gemeinsamen grenzübergreifenden Kriminalitätsbekämpfung geschlossen. Deshalb befassen wir uns in Europa immer wieder mit der Flüchtlingspolitik und arbeiten hierzulande an schnelleren Asylverfahren. Dem dient es, dass wir einige weitere Staaten gesetzlich als sichere Herkunftsländer definiert haben. Das gibt uns die Möglichkeit, denen besser zu helfen, die wirklich Hilfe brauchen, weil sie etwa mit ihrem nackten Leben den Kriegen und der Verfolgung in Syrien und im Irak entkommen sind. Die Welt ist voller Konflikte, und wir erleben in den letzten Jahren, dass die Globalisierung, von der wir in so vieler Hinsicht profitieren, diese Konflikte näher an uns heranrückt. Es ist wichtiger denn je, Entwicklungshilfe zu betreiben und zum Beispiel gerade auch in Afrika die Fluchtursachen zu bekämpfen.

Pegida und AfD haben Zulauf von Bürgern, die sich von den sogenannten „Altparteien“ nicht verstanden und vertreten, gar ausgrenzt fühlen. Wie können Sie die zurückgewinnen?

Durch konkrete Politik, durch Taten, indem wir ernsthaft und beständig an den Problemen arbeiten, die die Menschen belasten.

Pegida und AfD sind auch zu Zufluchtsorten für frühere CDU-Mitglieder geworden. Das sind Leute, die Ihnen und der Union einen Linksrutsch in den „Mainstream“ vorwerfen. Nach dieser Lesart sind Sie mitverantwortlich für die Entstehung von AfD und Pegida.

Alle Parteien haben Wählerinnen und Wähler an die AfD verloren, auch zum Beispiel die Linke, und einigen Zulauf hat sie aus dem Lager der bisherigen Nichtwähler. Ohne allzuviel auf Umfragen zu geben: Die derzeitigen Werte der CDU sprechen jedenfalls nicht dafür, dass unser Volksparteicharakter sehr geschwächt wäre.

Sie sehen nicht die Notwendigkeit, dass die Union sich wieder stärker um Konservative kümmern müsste, die sich politisch heimatlos fühlen?

Das Konservative ist und bleibt eine der Wurzeln der Christlich-Demokratischen Union, neben der liberalen und der christlich-sozialen. Unsere Politik ist und bleibt diesen drei Wurzeln verpflichtet. Unsere Aufgabe ist es, verschiedene Gruppen von Bürgern anzusprechen, sonst können wir keine Volkspartei sein.

Nicht nur bei uns, überall in Europa erstarken populistische und radikale Parteien und Bewegungen, die vor Überfremdung warnen und damit Wähler anziehen. Wie erklären Sie sich das?

Mit den Auswirkungen der zunehmenden Globalisierung, auf die manche Menschen mit einem Rückzug ins Nationale reagieren in der trügerischen Annahme, jeder Staat für sich könne die Probleme besser lösen. Ich bin überzeugt, dass es uns nicht hilft, uns von den anderen abzuwenden, sondern schadet. Ohne die Europäische Union, ohne das transatlantische Bündnis, ohne eine enge Zusammenarbeit mit den ärmeren Ländern der Welt können wir die Probleme unserer Zeit nicht lösen. Abschottung ist kein Konzept, um der Globalisierung zu begegnen, und schon gar keines, um unseren Idealen und auch der Intention unseres Grundgesetzes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, gerecht zu werden.

Im Juni findet der G-7-Gipfel unter Ihrem Vorsitz statt. Hat Russland noch eine Chance, in Elmau wieder als achter Teilnehmer dabei zu sein?

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