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Angela Merkel in Indonesien : Besser das Übliche als das Üble

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„Ich bedanke mich für die Führung“: Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in der Istiqlal-Moschee von Jakarta Bild: dpa

In weniger als 57 Stunden hin und zurück: Kanzlerin Merkel besucht Indonesien; ein Land, das zwar wichtig ist, aber keine großen Probleme macht. Verabredungen, auch zur militärischen Kooperation, wurden getroffen, aber so allgemein gelassen, dass sie für die Debatten zu Hause nichts Schlimmes befürchten lassen.

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          Im Namen Allahs hat Susilo Bambang Yudhoyono die Pressekonferenz eröffnet. Der indonesische Staatspräsident hieß nicht bloß nach seinem Gespräch mit Angela Merkel die Bundeskanzlerin abermals willkommen, sondern auch die sich drängelnden Kameraleute und Journalisten - „die Mitglieder der Presse, die ich liebe“. Und weil Yudhoyono die Journalisten so sehr mag, konnten diese - und sei es unbeabsichtigt - die letzte Runde des Gesprächs zwischen Gastgeber und Gast verfolgen. Frau Merkel sprach, ganz wie in Deutschland, über Sparen, Investieren und die Nachhaltigkeit der Politik; über Spanien, den Euro und die Rolle Chinas im südostasiatischen Raum. Fast konnten die Zuhörer den Eindruck gewinnen, in derlei Gesprächsformaten werde nicht viel anders geredet als in aller Öffentlichkeit. Später lobte Frau Merkel den Abbau der indonesischen Schulden - von mehr als 80 auf 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Da können wir uns noch sehr anstrengen.“

          Ein Kurzbesuch war es, gerade einen Tag lang hielt sich Frau Merkel in der indonesischen Hauptstadt auf. Eine Erklärung wurde verabredet - die „Jakarta Deklaration“. Auf allen Gebieten solle die Zusammenarbeit verbessert werden, obwohl sie doch schon gut sei, wie Yudhoyono versicherte. Die Themen also: Wirtschaft und Handel, Gesundheit und Bildung, Forschung und Technologie, Ernährung und Energie. Schließlich: die Verteidigungspolitik. Fast schien Frau Merkel zu fürchten, dass dieser Besuch im Schatten eines noch ganz und gar ungewissen Rüstungsprojektes stehe. Details der Rüstungszusammenarbeit, so wurde also verbreitet, seien nicht besprochen worden. Grundsätze freilich gleichwohl. Frau Merkel erinnerte an eine Absprache der Verteidigungsminister beider Staaten vom Februar, die in ihrer hehren Allgemeinheit bestätigt und in die Jakarta-Erklärung aufgenommen worden war. Yudhoyono ging ein klein wenig weiter. In Indonesien gebe es den Grundsatz, was im Land hergestellt werden könne, sei auch dort zu produzieren. Der Rest müsse gekauft werden - in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Australien und künftig eben auch in Deutschland.

          Nach seinem Interesse an Leopard-II-Panzern war er gefragt worden, und danach, ob das entsprechende Geschäft womöglich bald bevorstehe. „Alles wird transparent gemacht“, versicherte Yudhoyono, und als wolle er Bedenken aus der deutschen Innenpolitik vorab entkräften, fügte er an, die indonesische Führung habe nie Panzer und Hubschrauber gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. In den Gesprächen mit Frau Merkel spielten die Panzer keine Rolle - angeblich weder in kleiner noch in großer Runde. Wie üblich in solchen Fällen aber wurden die Außenministerien beauftragt, über die Erfüllung solcher Abkommen zu wachen.

          Angela Merkels zweiter Besuch in Jakarta

          Frau Merkel war bemüht, sich nach dem Zusammenleben der Religionen zu erkundigen. In Gesprächen mit Vertretern der evangelischen Immanuelkirche bekam sie zu hören, es sei in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, zumal auf dem Lande. Vom Ausland her werde der Islam in Indonesien radikalisiert. Frau Merkel besuchte auch die für 120.000 Gläubige ausgelegte Istiqlal-Moschee. Einer ihrer Sprecher erzählte, wie viel deutsche Technik in dem Gebäude verwandt worden sei - und dass der Parkplatz mit einer gegenüberliegenden katholischen Kirche geteilt werde. In das Gästebuch der Moschee schrieb Frau Merkel: „Ich bedanke mich für die Führung durch die beeindruckende Istiqlal-Moschee. Ich wünsche allen Muslimen einen guten Fastenmonat. Alles Gute für die Zukunft. Angela Merkel.“

          Es ist das Chaos, das in Jakarta herrschen soll. 23 Millionen Einwohner, Verkehrsstauungen in Zehnerreihen. Schon 1995, als Angela Merkel, damals noch Umweltministerin, die indonesische Hauptstadt besucht hatte, schien sie ziemlich überwältigt gewesen zu sein. Geschäftsreisende haben erstaunliche Erfahrungen gemacht. Ihre Fahrer lesen vom Straßenrand Leute auf, die mitfahren wollen. Wie das? Man werde es sehen. Die Mitfahrenden bekommen sogar Geld dafür. Wie bitte? Die Strafen der Stadtbehörden für Autofahrer, deren Limousine nicht gefüllt ist, liegen höher als der Obolus, den die Mitfahrer bekommen. Manche von ihnen haben sich die Sache als Broterwerb auserkoren: zwei Kilometer gefahren werden, zwei Kilometer zurücklaufen. Frauen mit Kleinkindern sollen bevorzugt sein.

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