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Angela Merkel über Mesut Özil : „Seine Entscheidung ist zu respektieren“

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Angela Merkel gratuliert nach dem Qualifikationsspiel gegen die Türkei zur Europameisterschaft Mesut Özil. Bild: dpa

Nach dem Rücktritt Özils aus der DFB-Elf zollt ihm Bundeskanzlerin Merkel Respekt für seine spielerischen Leistungen. Viele Verbände und Politiker melden sich ebenfalls zu Wort.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem Fußballspieler Mesut Özil Respekt für seine Leistung in der Nationalmannschaft gezollt. Özil sei ein „toller Spieler“, der für die deutsche Mannschaft viel geleistet habe, zitierte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin die Kanzlerin. „Er hat eine Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist.“

          Zurückhaltend reagierte Demmer auf die von Özil erhobenen Rassismus-Vorwürfe. „Deutschland ist ein weltoffenes Land“, in dem Menschen mit Migrationshintergrund „herzlich willkommen sind“, sagte sie. Für die Bundesregierung sei Integration eine „Schlüsselaufgabe“, bei der alle gesellschaftlichen Gruppen gefragt seien. Dem Sport komme hier eine wichtige Bedeutung zu.

          Die Vorsitzende der SPD, Andrea Nahles, kritisierte den Fußballer, nahm ihn aber zugleich in Schutz. „Özil hat mit seinem Auftritt mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Fehler gemacht.“ Aber der Grundsatz „Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam“ werde in seinem Fall offenbar nicht beherzigt. Das Wort „Rassismus“ sei hier zwar möglicherweise zu stark. „Aber das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, insbesondere wenn es einmal schlecht läuft und schnell nach Sündenböcken gesucht wird, droht auf viele Migranten auf und neben dem Fußballplatz überzugehen“, sagte Nahles. „Da müssen wir gegenhalten – für ein offenes, tolerantes Land, in dem Rassismus geächtet wird.“

          „Zäsur für den Stand der Integration in Deutschland“

          Türkische und deutsche Verbände sowie viele Politiker zeigen sich empört über den Umgang des Deutschen Fußballbundes (DFB) mit Mesut Özil. Einige fordern nun, dass der Vorsitzende des größten Sportverbands der Welt, Reinhard Grindel, zurücktreten soll.

          Die Türkische Gemeinde Deutschland, ein Verband, der sich für Menschenrechte, Demokratie und gleichberechtigte Teilhabe einsetzt, differenziert zwischen der Foto-Aktion Özils und dem Verlauf der Debatte über den Spieler – und kritisiert auch direkt die „Bild“-Zeitung.

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag), es sei empörend, dass beim Rücktritt eines verdienten Fußballers, der zufälligerweise ein bekennender Muslim sei, das Team und der DFB schwiegen. Er halte die Debatte um Özil für eine „Zäsur und sehr alarmierend für den Stand der Integration in Deutschland“.

          Die Amadeu Antonio Stiftung, die Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus fördert, folgte Özils Sichtweise und bedauerte, dass Rassismus heutzutage noch solche Macht habe.

          Für Niedersachsens Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf (SPD) hat die Wochen dauernde Debatte um Mesut Özil „verheerende Folgen“ für die Integration junger Menschen in Deutschland. „Diese Vorfälle werfen Deutschland in Sachen Integration um Jahre zurück“, sagte sie am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Viele in Deutschland lebende Jugendliche, die noch außerhalb ihrer Heimat Wurzeln oder Familie hätten, seien verunsichert. Mit Blick auf Özils Kritik am DFB sagte sie: „Das dumpfe DFB-Verhalten, der brutale Rassismus der vergangenen Wochen, hat diese Jugendlichen erschüttert.“

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte auf einer Pressekonferenz über Mesut Özil: „Ich glaube auch nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“

          Die SPD-Politikerin Sawasan Chebli, die selbst palästinensische Wurzeln hat, bewertete den Rücktritt Özils als „Armutszeugnis für unser Land“ und zweifelte daran, ob „wir“ jemals dazugehören würden. Mit dem „wir“ bezog sie sich wohl auf Deutsche mit Migrationshintergrund.

          Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wendete sich gegen die Medienschelte Özils. In seiner Begründung für den Rückzug aus der deutschen Nationalelf hatte Özil am Wochenende nicht näher genannten Zeitungen vorgeworfen, ihn wegen seiner türkischen Herkunft und nicht wegen sportlicher Leistungen kritisiert zu haben. „Wenn Mesut Özil Rassismus in deutschen Zeitungsredaktionen am Werk sieht, soll er Ross und Reiter nennen“, forderte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall am Montag in Berlin. „Dann muss darüber diskutiert werden.“

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