https://www.faz.net/-gpf-9d9qc

Treffen auf Schloss Meseberg : Merkel empfängt am Wochenende Putin

  • Aktualisiert am

Putin und Merkel im Mai in Sotschi Bild: EPA

Zum zweiten Mal innerhalb drei Monaten treffen sich die Bundeskanzlerin und der russische Präsident. Thema des Gesprächs soll auch die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 sein.

          1 Min.

          Russlands Präsident Wladimir Putin wird kommenden Samstag zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Deutschland erwartet. Im Mittelpunkt des für den Abend geplanten „ausführlichen Gesprächs“ im Gästehaus der Regierung in Meseberg stünden deutsch-russische Fragen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Dazu gehörten der Syrien-Konflikt, die Lage in der Ost-Ukraine sowie energiewirtschaftliche Fragen.

          Mit Blick auf das umstrittene deutsch-russische Gas-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 betonte Seibert, Deutschland sei es wichtig, dass die Ukraine weiterhin ihre Rolle beim Gas-Transit behalte. Die Pipeline ist die Erweiterung einer bestehenden Verbindung. Sie soll Russland und Deutschland durch die Ostsee direkt verbinden und könnte so den Weg durch Länder wie die Ukraine ersetzen. In das Projekt eingebunden ist neben dem russischen Betreiber Gasprom unter anderem auch die BASF-Tochter Wintershall.

          Die Kanzlerin wird den russischen Präsidenten, zu dem die Beziehungen derzeit angespannt sind, am Samstag um 18.00 Uhr im Gästehaus der Bundesregierung in Meseberg empfangen. Beide wollen sich vor ihrem Gespräch vor der Presse äußern, nicht aber im Anschluss. In dem Barockschloss im 60 Kilometer nördlich von Berlin gelegenen Meseberg empfängt Merkel immer wieder auch ausländische Besucher.

          Beziehungen zu Russland sind angespannt

          Merkel und Putin hatten sich erst Mitte Mai im russischen Badeort Sotschi am Schwarzen Meer getroffen. Anschließend hatte Merkel Ende Juli den russischen Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow gemeinsam mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin empfangen. Auch dabei ging es um den Konflikt in Syrien, insbesondere um die Rückkehr von Flüchtlingen in das Bürgerkriegsland, und um die Krise um die Ost-Ukraine.

          Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau sind unter anderem wegen des Konflikts um die Ost-Ukraine, aber auch wegen mutmaßlicher russischer Hackerangriffe und des Vorwurfs der Wahlkampfeinmischung angespannt. Der Giftanschlag auf den russischen ehemaligen Agenten Sergej Skripal in Großbritannien, für den der Westen Moskau verantwortlich macht, sorgte zusätzlich für Streit.

          Zuletzt haben die diplomatischen Kontakte zwischen dem Westen und Moskau aber wieder zugenommen. So traf der amerikanische Präsident Donald Trump Mitte Juli Putin in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Für den 7. September ist in Istanbul ein Syrien-Gipfel zwischen Deutschland, Frankreich, Russland und der Türkei im Gespräch, zu dem auch Merkel reisen könnte.

          Merkel und Putin kamen trotz zahlreicher Krisen und Differenzen immer wieder zu Vier-Augen-Gesprächen zusammen. Ein Überblick über die bilateralen Treffen, ihre Anlässe und Inhalte der vergangenen fünf Jahre:

          18. Mai 2018: Vor dem Hintergrund zahlreicher internationaler Krisen reist Merkel zu Beratungen mit Putin nach Sotschi. Bei dem Treffen in dem Badeort am Schwarzen Meer stehen Fragen wie der Ausstieg Amerikas aus dem Atomabkommen mit dem Iran, der Syrien-Krieg oder der Ukraine-Konflikt auf dem Programm. Bereits im Mai 2017 hatte Merkel den russischen Präsidenten in dessen Sommerresidenz besucht; seither kam es nicht mehr zu einem längeren Vier-Augen-Gesprächen.

          2. Mai 2017: Der Besuch in Sotschi diente unter anderem der Vorbereitung des G20-Gipfels der führenden Industrie- und Schwellenländer in Hamburg. Als Dauerthemen kommen auch die Rolle Russlands in den Konflikten in der Ukraine und Syrien zur Sprache. Es ist der erste Besuch der Kanzlerin in Russland seit zwei Jahren.

          19. Oktober 2016: Im Ringen um eine Befriedung der Ostukraine empfängt Merkel Putin, Frankreichs damaligen Staatschef François Hollande und den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko im Kanzleramt. Ein Jahr nach ihrem letzten Zusammenkommen im sogenannten Normandie-Format zur Ukraine-Krise beraten die vier Staats- und Regierungschefs die bisherige Umsetzung der Minsker Vereinbarungen. Im Anschluss trifft Merkel Putin unter vier Augen, dabei geht es auch um Syrien. Es ist Putins erster Deutschland-Besuch seit Beginn des Ukraine-Konflikts im April 2014.

          10. Mai 2015: Merkel reist einen Tag nach den offiziellen Feierlichkeiten zum Sieg über das nationalsozialistische Deutschland vor 70 Jahren nach Moskau. Gemeinsam mit Putin legt sie am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Bei einem gemeinsamen Mittagessen sprechen sie über bilaterale Fragen. Wegen der durch die Ukraine-Krise belasteten Beziehungen zwischen Berlin und Moskau nimmt Merkel nicht an der Gedenkparade zum „Großen Vaterländischen Krieg“ am 9. Mai teil. 2005 und 2010 waren deutsche Regierungschefs bei der Gedenkparade anwesend.

          21. Juni 2013: Merkel nimmt erstmals am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil. Auf dem Programm stehen eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Putin sowie bilaterale Gespräche mit einer gemeinsamen Pressekonferenz. Das Besuchsprogramm beinhaltet auch eine gemeinsame Schiffsfahrt zur Eremitage. An dem Wirtschaftsforum nimmt neben Merkel eine große deutsche Delegation teil, darunter Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende von elf Unternehmen.

          7. April 2013: Überschattet von anhaltender Kritik am Vorgehen der russischen Behörden gegen die Zivilgesellschaft eröffnet Putin zusammen mit Merkel die Hannover Messe. Russland ist 2013 Partnerland der Industriemesse in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Ende März hatten russische Behörden mehrere deutsche politische Stiftungen durchsucht, was auf Empörung stieß. Merkel ließ daraufhin erklären, sie werde die Vorfälle bei ihrem Treffen mit Putin ansprechen. (AFP)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuer Kandidat bei Demokraten : Ein Neuer für die Mitte

          Das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ist gut gefüllt. Trotzdem macht nun noch ein Neuer mit. Der Einstieg Deval Patricks hängt auch mit der Unzufriedenheit vieler Großspender mit den bisherigen Kandidaten zusammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.