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Merkel ohne Reue : Die Kanzlerin a. D. möchte sich wohlfühlen

  • -Aktualisiert am

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 7. Juni 2022 im Berliner Ensemble Bild: EPA

Zum ersten Mal seit dem Ende ihrer Amtszeit lässt die ehemalige Kanzlerin sich öffentlich befragen. Hauptthema ist ihre Russlandpolitik. Da kann sie keine Fehler erkennen.

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          Manchmal überrascht Angela Merkel ihre Zuhörer mit einem Begriff. „Unterkontingent“ zum Beispiel. Die einstige Bundeskanzlerin, die ihr Amt vor einem halben Jahr an den Sozialdemokraten Olaf Scholz übergab, saß am Dienstagabend im Berliner Ensemble und ließ sich zum ersten Mal als Altkanzlerin interviewen. Das Interesse war groß, das Theater voll. Der „Spiegel“-Journalist Alexander Osang befragte Merkel und wollte wissen, ob es einen richtigen Zeitpunkt gebe zurückzutreten. Gleich belehrte sie ihn: „Nicht wieder anzutreten.“ Es liege in der Natur der Demokratie, dass man aufhört, fuhr sie fort. Entweder man werde irgendwann abgewählt, oder man komme freiwillig zu dem Entschluss. „Ich finde, mit 16 Jahren habe ich jetzt kein Unterkontingent.“ Heiterkeit.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Die Veranstaltung, bei der Merkel auftrat, war einem kleinen Buch gewidmet, das der Aufbau Verlag herausgegeben hat. „Was also ist mein Land?“ lautet der Titel. Es enthält drei Reden der Kanzlerin. Eigentlich geht es aber nur um diejenige, die sie am 3. Oktober vorigen Jahres zum Jahrestag der Wiedervereinigung gehalten hat. Damals zeigte sie sich enttäuscht, dass ihre ostdeutsche Vergangenheit vor allem in ihrer Partei, der CDU, als Ballast angesehen worden sei. Kurz vor ihrem Ausscheiden machte die mächtigste Politikerin des 21. Jahrhunderts in Gegenwart von lauter erfolgreichen westdeutschen Männern bis hinauf zum Bundespräsidenten deutlich, dass sie sich wegen ihrer DDR-Vergangenheit nicht umfassend anerkannt fühlt. Es sei eine sehr persönliche Rede gewesen, sagte Merkel am Dienstagabend. Weil sie „ein Stück Verletzlichkeit“ gezeigt habe, habe sie sie vielleicht nur zum Schluss ihrer Amtszeit halten können.

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