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Merkel beim Katholikentag : Es ist ein Kreuz

  • -Aktualisiert am

Angesichts der Krisen nicht abstumpfen: Angela Merkel in Münster Bild: dpa

Merkel wird beim Katholikentag herzlich empfangen. Sie spricht über Krisen – das Publikum interessieren vor allem die Rüstungsausgaben.

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          Steht die Welt denn kopf? Da verfügt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, dass im Eingangsbereich aller bayerischen Behörden ein Kreuz hängen soll, und der oberste Bischof läuft Sturm. Da ist es der französische Präsident Emmanuel Macron, der den Europäern predigt: „Habt keine Angst.“ Und da diskutiert die Münsteraner Stadtpolitik, ob sie für den Katholikentag hier, wo noch fast jeder Zweite katholisch ist, überhaupt Geld ausgeben soll. Es sind unruhige und verwirrende Zeiten, für die Politik, die Kirche, für jeden. Und da ist es die Bundeskanzlerin, eine evangelische Pfarrerstochter, die die Welt ein Stück zurechtrückt. „Frau Merkel, Sie haben viele Fans hier“, sagt Thomas Sternberg, der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das den Kirchentag ausrichtet. Die sehr, sehr freundliche Begrüßung Sternbergs für seine CDU-Parteifreundin Merkel geht im Applaus fast unter. Die Messehalle des Münsteraner Kongresszentrums ist übervoll, viele Kirchentagsbesucher stehen auf, als die Kanzlerin sich den Weg zur Bühne bahnt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Bevor Merkel mit zwei Podiumsteilnehmern diskutieren und Fragen aus dem Publikum beantworten wird, macht sie einige Eingangsbemerkungen. Kurz gedenkt Merkel des Anschlags in der Münsteraner Innenstadt vor einigen Wochen und bedankt sich bei der Stadt für die Ausrichtung des Katholikentags. Dann geht es um Krieg und Frieden. Erst der Krieg. Der endete hier in Münster und in Osnabrück 1648 mit einer historischen Vereinbarung, dem Westfälischen Frieden. Es lag deshalb recht nahe, dem Katholikentag das Motto „Suche Frieden“ zu geben. Das sei doch ziemlich banal, kommentierten einige die Entscheidung des ZdK. Für Frieden ist doch jeder, wo sollen da die Reibung und der Konflikt sein? Frieden suchen und finden zum Beispiel in Syrien. Merkel sagt, es habe Jahre gedauert, den Westfälischen Frieden auszuhandeln. Heute sei man oft schon nach einem halben Jahr der Verhandlungen ungeduldig und unterstelle, das werde doch nie etwas. Deutschland wolle sich in Syrien stärker engagieren, sagt die Kanzlerin, um eine politische Lösung zu finden. „Das wird ein langwieriger Prozess.“ Und für diese unaufgeregte und im Grunde simple Feststellung gibt es einen längeren Zwischenapplaus vom Katholikentagspublikum. Und dann merkt man, dass das Motto des Laientreffens überhaupt nicht banal sein muss – zumindest, wenn man es ernst nimmt.

          AfD wird an Gespräch teilnehmen

          Also alles wieder gut zwischen Kirche, Gläubigen und der Politik? Der Zuspruch, den Merkel bei ihrem Auftritt am Freitagvormittag erfährt, mag da etwas täuschen. Schon lange nicht mehr hat die Frage, wie sehr sich die Politik in religiöse Fragen einmischen und wie politisch die Kirche sein sollte, die Gemüter so bewegt. Vor zwei Jahren, als der Katholikentag im kirchenfernen Leipzig stattfand, wurde viel über die Flüchtlingskrise diskutiert. Es ging häufig um die anderen. Der Münsteraner Katholikentag trifft das Land und seine Bürger in einer Phase, in der sie sich wieder mehr ihrer selbst versichern wollen. Söders Kreuze, die Identität stiften sollen, sind dafür ein Beispiel.

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