https://www.faz.net/-gpf-9q5m6

CDU-Politiker Andreas Jung : „Lkw-Maut ab 3,5 Tonnen und auf allen Straßen“

Parkende Lastwagen auf der A5 bei Karlsruhe Bild: dpa

Mit einer Lkw-Maut für Landes- und Kommunalstraßen will die „Koordinierungsgruppe Klima“ die Treibhausemissionen verringern. Ein Gespräch mit dem Leiter Andreas Jung über Abwrackprämien, Generationengerechtigkeit und die Grünen.

          4 Min.

          Herr Jung, Sie sind am Bodensee aufgewachsen und leben auf der Insel Reichenau. Spüren Sie die Folgen des Klimawandels im Alltag?

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Klimawandel hat den Bodensee erreicht, er betrifft unsere Heimat. Natur und See verändern sich, der Wald ist bedroht. Landwirte und Förster erleben das massiv. Sie leiden darunter und sagen, Hitze, Sturm, Hagel, das habe es früher nicht in dieser Häufung gegeben. Wenn man hier lebt, dann bringt das eine Sensibilität für die Natur mit sich. In den siebziger Jahren stand der See vor dem Umkippen, mit entschiedenem Handeln konnte man es verhindern. Und so müssen wir heute gegen die Erderwärmung angehen.

          Die Bundeskanzlerin hat sich 2007 als EU-Ratspräsidentin stark für den Klimaschutz eingesetzt. Für das Jahr 2020 wurden ehrgeizige Ziele formuliert, die man dann verfehlte. Heute gelten die Grünen als die Klimaschutzpartei schlechthin. Warum hat Ihre Partei das Thema aus den Augen verloren?

          Die Kanzlerin hat große Verdienste bei der Durchsetzung des Pariser Abkommens. Zudem sind wir das einzige Industrieland, das gleichzeitig aus Kernenergie und Kohle aussteigt. Das ist ein großer Schritt und eine gewaltige Aufgabe. Leider trat in den letzten Jahren der Klimaschutz durch Wirtschafts-, Euro- und Flüchtlingskrise in den Hintergrund. Auch deshalb ist eine Lücke entstanden zwischen selbstgesetzten Klimazielen und Erreichtem. Die gilt es jetzt zu schließen, wir haben großen Handlungsdruck. Wir müssen jetzt schnellstens das für 2020 angestrebte Ziel schaffen, sicherstellen, dass wir die Zielmarke für 2030 verlässlich erreichen und dann bis 2050 Klimaneutralität angehen, die grüne Null.

          Wie schließen Sie die Flanke?

          Mit einem Klimaschutzgesetz für alle Sektoren, Energie, Wirtschaft, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Forst. Dazu müssen wir auch das System aus Steuern und Abgaben so grundlegend reformieren, dass es eine klare Wirkung für CO2-Einsparung entfaltet. Das Volumen aller Energieabgaben beträgt derzeit rund 80 Milliarden Euro. Das ist bestimmt nicht zu wenig. Aber zu oft steuern wir falsch. Wir brauchen eine konsequente Ausrichtung auf Klimaschutz.

          In welchem Bereich müssen die größten Anstrengungen unternommen werden?

          Große Sorgenkinder sind die Bereiche Verkehr und Gebäude. Da brauchen wir einen CO2-Deckel. Das erreichen wir nur mit einem an Zielen orientierten Zertifikatehandel, nicht durch eine zusätzliche Steuer. Veränderungen sind notwendig, aber wir müssen die Menschen dabei mitnehmen. Denn wir wollen die schwarze und grüne Null, aber keine gelben Westen! Deshalb darf nicht alles auf einen Schlag kommen und es muss auch Entlastungen geben. Wir brauchen Unterstützung bei Umstieg und Umbau und eine besondere Berücksichtigung des ländlichen Raums, etwa der Situation von Menschen, die für ihre Arbeit heute aufs Auto angewiesen sind.

          Sie schlagen ziemlich unkonkret einen „CO2-Deckel“ vor. Was werden die zentralen und wirkungsvollsten Instrumente zur Reduzierung von Treibhausgasen sein?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.