https://www.faz.net/-gpf-102dj

Andrea Ypsilanti im Interview : „Verlässlichkeit bedeutet mehr als nur einen Handschlag“

  • Aktualisiert am

„Ich habe keine Kristallkugel” Bild: F.A.Z./Wolfgang Eilmes

Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hat die Linkspartei aufgefordert, bei ihrem Landesparteitag an diesem Wochenende zu entscheiden, ob sie Verantwortung für einen Politikwechsel übernehmen wolle. Von neuen Warnungen aus der SPD-Spitze und schlechten Umfragen zeigte sie sich unbeeindruckt.

          Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hat die Linkspartei aufgefordert, bei ihrem Landesparteitag an diesem Wochenende zu entscheiden, ob sie Verantwortung für einen Politikwechsel übernehmen wolle. Von neuen Warnungen aus der SPD-Spitze und schlechten Umfragen zeigte sie sich unbeeindruckt. Mit Frau Ypsilanti sprachen Thomas Holl und Ralf Euler.

          Frau Ypsilanti, gehen Sie gern ins Spielcasino?

          Nein, überhaupt nicht.

          „Da sind wir in den letzten Monaten an Grenzen gestoßen”

          Vielen in Ihrer Partei erscheinen Sie mit Ihrem Linkskurs aber als eine das Risiko liebende Spielerin, die alles auf eine Karte setzt und dabei das Schicksal der SPD in der Hand hat.

          Ich bin keine Spielerin, und Risiken liebe ich auch nicht. Was wir hier in Hessen entscheiden, ist eine nicht einfache Frage. Ich handle auch nicht leichtsinnig. Wir haben in der SPD einen Prozess vereinbart, in dem wir uns überlegen, wie wir den Politikwechsel in Hessen gestalten. Da sind wir in den letzten Monaten an Grenzen gestoßen. Jetzt wird meine Partei darüber diskutieren, ob wir nochmal einen Anlauf für eine rot-grüne Landesregierung mit Unterstützung der Linken wagen. Das ist ein Prozess, der am 4. Oktober in einen Parteitag mündet.

          Lässt Sie die Meinung der Hessen denn kalt, die zu 68 Prozent nichts von Ihren rot-rot-grünen Plänen halten?

          Man muss Forsa-Umfragen bekanntlich mit Vorsicht genießen. Dass die wähler von CDU und FDP unsere Ideen nicht unterstützen, ist klar. Aber wenn ich mit Menschen in Hessen rede, auch in meiner eigenen Partei, dann wollen die immer noch den Politikwechsel.

          Aber selbst 54 Prozent der hessischen SPD-Anhänger wollen nicht mit Hilfe der Linkspartei von Ihnen regiert werden.

          Ich habe da eine andere Wahrnehmung. Wenn man etwas Neues wagt, muss man intensiv dafür werben. Das war damals bei Holger Börner und seiner ersten rot-grünen Regierung auch nicht anders. Und das müssen wir jetzt machen und hinterher den Beweis antreten, dass es klappt und gut ist für Hessen.

          Der bundespolitische Druck, auf ein rot-grün-rotes Experiment mit der Linkspartei zu verzichten, steigt täglich. Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Peer Steinbrück spricht von der Wahl zwischen Pest und Cholera. Verlangen Sie von Steinbrück eine Entschuldigung, wie sie Ihr Umweltminister in spe, Hermann Scheer fordert, der von einer „unerträglichen Entgleisung“ spricht?

          Wir haben natürlich im SPD-Bundespräsidium die Lage erörtert und der Vorsitzende Kurt Beck und ich besprechen das auch wie zwei Erwachsene, die in derselben Partei sind. Da werden auch Risiken erörtert, da wird abgewogen zwischen den Risiken. Das tun wir in aller Gelassenheit und in großer Solidarität. Wenn andere meinen, sie müssten da verbal schärfer zuschlagen, dann ist das nicht mein Stil..

          Aber eine Entschuldigung verlangen Sie nicht von Steinbrück?

          Wir treffen uns in den nächsten Wochen wieder, und ich werde dann sehen, was er dazu sagt.

          Was entgegnen Sie Ihren besorgten Parteifreunden denn jeden Montag im SPD-Bundespräsidium?

          Dass wir hier von den Inhalten ausgehen, mit denen wir in Hessen die Landtagswahl gewonnen haben. Die Wahl haben wir zum Beispiel gewonnen mit einer anderen Bildungspolitik, die kein Kind zurücklässt. Wir wollen eine Energiewende und das soziale Netz neu knüpfen. Vieles davon kann man aus dem Parlament heraus nicht erreichen. Da sind wir an Grenzen gestoßen mit einer geschäftsführenden Landesregierung, die uns behindert.

          Weitere Themen

          Johnson sorgt wegen Streit mit Freundin für Polizeieinsatz Video-Seite öffnen

          Verlust von Wählergunst : Johnson sorgt wegen Streit mit Freundin für Polizeieinsatz

          Auf der Veranstaltung der Konservativen hatte Johnson viele Zuhörer auf seiner Seite. Nach einer Umfrage der Zeitung „Mail on Sunday“ verliert der bisherige Favorit für die Nachfolge von Regierungschefin Theresa May aber an Boden gegenüber seinem innerparteilichen Rivalen Jeremy Hunt.

          Die Sehschwächen der Sicherheitsbehörden

          TV-Kritik: Anne Will : Die Sehschwächen der Sicherheitsbehörden

          Bei Anne Will wird über das beunruhigende Erstarken des Rechtsextremismus debattiert. Annegret Kramp-Karrenbauer schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD aus – und liefert sich ein Fernduell mit Hans-Georg Maaßen.

          Topmeldungen

          Steinbach und der Fall Lübcke : „Du trägst Mitschuld an seinem Tod“

          Nach dem Mord an Walter Lübcke hat der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber seinen Vorwurf gegenüber seiner früheren Parteifreundin Erika Steinbach wiederholt. Steinbach sieht darin eine Diffamierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.