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Im Gespräch: Andrea Nahles : „Wie das Weihnachtsfest des Lebens“

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„Kaum guck' ich mich um, bin ich im achten Monat”: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Gespräch mit der F.A.S. Bild: FAZ-Matthias Lüdecke

Sie ist vierzig - und die erste deutsche Spitzenpolitikerin, die mitten in ihrer Karriere ein Kind erwartet. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles geht nächste Woche in den Mutterschutz. Im Interview spricht sie über ihre späte Chance, Stillen nach der Elefantenrunde und den neuen Wickeltisch im Willy-Brandt-Haus.

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          Frau Nahles, Sie gehen morgen in den Mutterschutz, erwarten im Januar Ihr erstes Kind. Wie haben Sie die Schwangerschaft erlebt?

          Wie einen Hundertmeterlauf. Ich dachte, das wird ein Marathon. Aber kaum guck' ich mich um, bin ich im achten Monat. Das zeigt, dass es gut gelaufen ist. Es war allen Schauergeschichten über späte Schwangerschaften zum Trotz eine unproblematische Schwangerschaft.

          Sie sind jetzt 40 und bekommen Ihr erstes Kind. Warum so spät?

          Es hat vorher einfach nicht gepasst. Für die Gründung einer Familie braucht man auch eine gute Partnerschaft. Ich habe immer auf die Chance in meinem Leben gehofft, dass ich mit einem Partner eine Familie gründen kann. Ich habe die Chance erst spät bekommen und freue mich nun umso mehr.

          „Für alle Fälle gibt es demnächst einen Wickeltisch im Willy-Brandt-Haus”: Andrea Nahles erwartet ihr erstes Kind
          „Für alle Fälle gibt es demnächst einen Wickeltisch im Willy-Brandt-Haus”: Andrea Nahles erwartet ihr erstes Kind : Bild: F.A.Z.-Matthias Lüdecke

          Warum wünschen Sie sich ein Kind?

          Ein Kind aufwachsen zu sehen ist für sich genommen schon Glück. Ein Leben zu schenken ist die größte Tat, die man im Leben tun kann. Es ist ein Fest des Lebens. Es ist, wenn man so will, das eigentliche Weihnachtsfest des Lebens. Menschen mit Kindern sind zudem in der Lage, die Welt wieder anders zu betrachten. Eltern müssen sich mit der Gesellschaft ganz anders auseinandersetzen, in der Kita, in der Schule, mit anderen Kindern, anderen Eltern. Ohne Kinder wird man mit bestimmten Problemen nicht mehr konfrontiert. Kinder sind deshalb auch eine Chance, sein eigenes Leben wieder zu öffnen.

          Und das auf Dauer.

          Kinder zu bekommen hat auch damit zu tun, was für Spuren man im Leben hinterlässt. Der Zirkel des Lebens schließt sich, der bisher unvollendet war. Das war nicht der Grund, ein Kind zu bekommen - aber schön ist es dennoch.

          Würden Sie gern noch mehr Kinder haben?

          Ich bin jetzt erst einmal rundum glücklich damit, dass ich eines bekomme. Alles andere sehen wir dann. Wer weiß, was für Kräfte das freisetzt, wenn das Kind da ist?

          Drei, vier Kinder sollten es schon sein. Wenn Sie diesen Satz jetzt einmal sagen könnten.

          (lacht) Ich sage jetzt mal: Geschwister sind toll, aber es geht auch ohne.

          Sie haben ja keinen 35-Stunden-Job. Wie wollen Sie das mit einem Kind vereinbaren?

          Die Frage stellt sich ja nicht nur mir, sondern allen berufstätigen Müttern. Einerseits habe ich es vielleicht leichter als viele, weil ich das Geld habe, um mir Hilfe zu organisieren. Auf der anderen Seite habe ich sehr wenig Zeit. Als Politiker hat man wahnsinnig ungünstige Arbeitszeiten, die auch das Wochenende vereinnahmen. Ich stelle mir daher vor, dass ich mir in meinem Alltag Inseln schaffe, die ich für meine Familie und mein Kind freihalte. Das klingt simpel in der Theorie, wir müssen sehen, wie es dann in der Praxis gelingt. Das Kind braucht Platz in meinem Leben, es wird ihn einfordern, und ich möchte ihm den auch geben. Für die ersten Monate ist geplant, dass mein Mann Elternzeit nimmt, und wir sind uns einig, dass er die Hauptverantwortung in der Erziehung übernehmen wird. Ich denke, das wird nicht leicht für uns beide, wir müssen austesten, wie das geht, was das emotional bedeutet, wie andere darauf reagieren. Ich glaube, dass es in Deutschland mittlerweile mehr Verständnis dafür gibt als vor zehn, fünfzehn Jahren. Trotzdem sind wir im Vergleich zum Beispiel zu Schweden immer noch kein kinderfreundliches Land und damit auch kein Land, das freundlich ist zu Familien und deren Lebenssituation. Ich sehe da noch viele kaum begangene Pfade.

          Die gesellschaftliche Situation ist ja nur die eine Seite, die andere ist die Gefühlslage der Mutter. Sind denn da Karriere und Mutterschaft wirklich vereinbar?

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