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Andrea Nahles im Gespräch : „Es ist auch meine Aufgabe, den Laden zusammenzuhalten“

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„Die SPD ist wieder am Start“: Generalsekretärin Andrea Nahles Bild: Pein, Andreas

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spricht im F.A.Z.-Interview über ihre Rolle neben der Troika, die Wünsche der Parteilinken auf dem Parteitag und die Wirkung der Agenda 2010.

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          Frau Nahles, als Sigmar Gabriel und Sie vor zwei Jahren in Dresden gewählt wurden, war von einer SPD-Doppelspitze die Rede. Heute gibt es eine SPD-Troika, deren Teil Sie nicht sind. Was ist schief gelaufen?

          Gar nichts. Die SPD ist nach zwei Jahren wieder am Start. Das haben wir gemeinsam erreicht. Das ist die Leistung von vielen. - Und warum sollte ich als Generalsekretärin mich nicht freuen, wenn alle in Deutschland darüber reden, wer der nächste Kanzler sein wird, und dabei auf die SPD schauen.

          Aber macht es wirklich einen guten Eindruck, wenn man drei Männer braucht, um der Kanzlerin Paroli zu bieten?

          Wir brauchen nicht drei Männer, wir haben sie. Und entscheiden uns 2012 oder Anfang 2013, wer für uns ins Rennen geht.

          Wollte Gerhard Schröder durch seine Wortmeldung eine Entscheidung zugunsten Peer Steinbrücks, des Favoriten, befördern?

          Man kann niemandem empfehlen, zwei Jahre vor dem Wahltag den Wahlkampf zu eröffnen. Gerhard Schröder hätte sich zu seiner aktiven Zeit diesen Rat selber auch nicht gegeben.

          Empfinden Sie die Arbeitsteilung mit Sigmar Gabriel als wohltuend? Sie haben die mühsame Arbeit für die strittige Parteireform erledigt. Sie haben das Parteiordnungsverfahren gegen Thilo Sarrazin abgeräumt.

          Ich mache meine Aufgabe als Generalsekretärin. Und ich mache sie mit ganzem Herzen. Dazu gehören auch schwierige Fragen. Niemand macht gerne Parteiordnungsverfahren - auch meine Vorgänger können davon ein Lied singen. Das gehört aber zur Stellenbeschreibung eines Generalsekretärs nun mal dazu. Unter dem Strich ist es nicht zuletzt auch meine Aufgabe, den Laden zusammenzuhalten. Auf die Aufgabe der Parteireform habe ich mich übrigens gefreut. Ich war viele Jahre Ortsvereins- und Kreisvorsitzende meiner Partei. Und konnte bei der Parteireform jetzt manche praktischen Erfahrungen mit einbringen. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Anläufe unternommen, die Partei zu reformieren. Jetzt habe ich die Chance, das zu einem guten Ende zu führen. Sie werden sehen, am Ende wird es die größte Parteireform, die wir in den vergangenen 30 Jahren hatten. Und die tut uns gut.

          Mögliche Kanzlerkandidaten der SPD: „Wir brauchen nicht drei Männer, wir haben sie“

          Sind sie sicher, dass die Reform in trockenen Tüchern ist?

          Natürlich war das nicht leicht. Wir haben uns den Spiegel vorgehalten und was wir darin gesehen haben, beschreibe ich mal so: Die SPD war in den Regierungsjahren grauer geworden und sie hat auch ein bisschen angesetzt. Auch die Mitglieder haben während der Regierungszeit nicht immer die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. Das hat eine Öffnung für Nicht-Mitglieder provoziert. Doch es ist dann was passiert. Die Partei hat sich auf die Debatte eingelassen, und wir haben zugehört, und das hat gewirkt: Wir haben gute Vorschläge gemeinsam entwickelt und haben nicht auf der einmal eingenommenen Position beharrt. Und die Beteiligung von Nichtmitgliedern gibt es als freiwillige Option.

          Und die Verkleinerung des Parteivorstandes? Verbunden mit der Migrantenquote?

          Ja, das ist schon ein Brocken. Es war noch nie so eng vor der Wahl des Parteivorstandes. Das ist wahr. Aber ich kann mir auch keine Reform vorstellen, wo wir gesagt hätten, ihr da unten an der Basis müsst Euch verändern. Aber bei uns an der Spitze bleibt alles wie gehabt.

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