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Andrea Nahles : Die Frau, über die Müntefering stürzte

  • -Aktualisiert am

Prägt sie ab sofort ihre Partei? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Schröder hielt wenig von ihr, doch Müntefering förderte sie. In ihrer Partei ist die einstige Juso-Vorsitzende Andrea Nahles glänzend vernetzt. Ein Porträt der Frau, deren Erfolg Franz Müntefering aus dem Amt trieb.

          Zehn Jahre ist es her, daß Andrea Nahles auf einem Bundesparteitag der SPD tätig war. Damals in Mannheim zählte sie zu jenen Sozialdemokraten, die auf Oskar Lafontaine einredeten, nun müsse er für den Parteivorsitz kandidieren und auf diese Weise Rudolf Scharping verdrängen.

          Die damals frisch gewählte Vorsitzende der Jungsozialisten hatte Selbstbewußtsein genug, auch gegenüber mächtigeren, einflußreicheren und erfahreneren Sozialdemokraten standfest aufzutreten. Im Parteivorstand war es gewesen, daß sie dem amtierenden Vorsitzenden Scharping den Beschluß der Jungsozialisten übermittelte, diese träten für einen anderen Vorsitzenden ein.

          Große Anhängerschaft

          In jedem Vorstand, den die SPD in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen zu vergeben hatte, sei ein Juso dabei, hat Andrea Nahles ihr Netzwerk kürzlich einmal beschrieben. Im Bundesparteivorstand verfügt sie über eine mittlerweile große Anhängerschaft. Doch hat sie auch in den Landesvorständen, den Bezirksvorständen, den Unterbezirksvorständen und den Ortsvereinsvorständen Anhänger und Zuträger.

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          Nahles verfügt seit einiger Zeit über Quellen und Erkenntnisse, die anderen führenden Sozialdemokraten - sei es des Alters wegen, sei es der politischen Ausrichtung wegen - verschlossen sind. Sie hat von diesem Wissen immer wieder Gebrauch gemacht. In Diskussionen des Präsidiums und des Parteivorstands stand sie auch bei abweichenden Positionen nicht allein. Auch solche Sozialdemokraten, die nicht dem linken Parteiflügel angehören oder in dem Alter von Frau Nahles sind, unterstützten die Germanistin.

          Kritik an Schröder

          Auf beinahe burschikose und jeweils freundliche Weise verstand sie, Anhänger zu finden, ihre Positionen zu erläutern. Sie vermied es dabei, persönliche Machtansprüche zu stellen. Wenn sie Interviews gab, stellte sie jeweils das Interesse der Partei - jedenfalls aus ihrer Sicht - in den Vordergrund. Früher wohl als Müntefering und Bundeskanzler Schröder hatte sie über ihre Quellen aus den Gliederungen der Partei die Gewißheit, es rumore gegen Schröders Politikstil und gegen die Vorhaben des „Agenda 2010“-Programms. Schröder mache die Partei kaputt, hatte sie schon in dem Wahlkampf 1998 geäußert, der Schröder schließlich die Kanzlerschaft bringen sollte.

          Frau Nahles stammt aus kleinen Verhältnissen in der Eifel. Sie wurde 1970 in Mendig geboren. Es gehörte in der Region dazu, Meßdiener zu werden. Später gründete Frau Nahles im Heimatort eine SPD-Gliederung. Über die Jungsozialisten stieg sie auf. Sie gehörte auch innerhalb des Juso-Spektrums zum linken Flügel, versicherte aber zugleich, sie wolle nicht wie die Vorläufer bei den Jusos eine personalpolitisch zugespitzte Auseinandersetzung führen.

          Frau Nahles kam bei der Bundestagswahl 1998 über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag. Sie kümmerte sich um Sozialpolitik. Bei der Wahl 2002 scheiterte sie knapp. Doch wurde sie anschließend von Müntefering gefördert - mit dem Ziel der Verjüngung der Parteispitze. Schröder hielt wenig von ihr. Erst vor gut einem Jahr sorgte Müntefering dafür, daß auch Schröder die - mittlerweile ins Parteipräsidium aufgestiegene - Politikerin akzeptierte. Einst hatte sie Lafontaine ein „Gottesgeschenk“ für die SPD genannt. Auch das ist zehn Jahre her.

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