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Anbau verboten : Aigner: Genmais ist „eine Gefahr für die Umwelt“

  • Aktualisiert am

Maisfeld im brandenburgischen Badingen Bild: AP

Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU) hat den Anbau der Genmaissorte MON 810 des Konzerns Monsanto verboten. Es ist die einzige Sorte Genmais, die derzeit in Deutschland angebaut wird.

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          Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat die genmanipulierte Maissorte MON 810 in Deutschland verboten. Damit seien jeder Anbau und jeder weitere Verkauf von Saatgut oder Mais dieser Art unzulässig, sagte die CSU-Politikerin am Dienstag in Berlin. „Die Bundesländer werden umgehend über diese Maßnahme informiert und werden die Einhaltung des Verbots überwachen“, sagte Frau Aigner.

          Zur Begründung sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin, sie sei zu dem Schluss gekommen, „dass es berechtigten Grund zu der Annahme gibt, dass der genetisch veränderte Mais der Linie MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt“. Diese Auffassung sei vom Bundesumweltministerium bestätigt worden.

          „Keine politische Entscheidung“

          „Meine Entscheidung ist entgegen anderslautender Behauptungen keine politische Entscheidung“, fuhr die Ministerin fort. „Es ist eine fachliche Entscheidung, und dies muss es aus rechtlichen Gründen auch sein.“ Es handele sich aber nicht um eine Grundsatzentscheidung zum künftigen Umgang mit der „grünen“ Gentechnik.

          Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
          Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) : Bild: AP

          Frau Aigners Ministerium hatte zuvor einen von dem amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto vorgelegten Bericht über die Verwendung der Maissorte in Deutschland ausgewertet. Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Gesundheitsminister Markus Söder (beide CSU) hatten sich für ein Ende der grünen Gentechnik ausgesprochen. Die Zeit für eine Entscheidung drängte, weil Ende April die Maisaussaat beginnen sollte.

          Pflanzengift mit unkalkulierbaren Wirkungen

          Das Erbgut der seit 2004 in der Europäischen Union zugelassenen Maissorte ist so verändert worden, dass die Pflanzen ständig ein Schädlingsgift produzieren. Während Monsanto argumentiert, dass deswegen keine Pestizide auf Feldern mit MON 810 versprüht werden müssten, fürchten Kritiker weitreichende Folgen. Die Kritik richtete sich vor allem gegen ein Insektengift, das in der Pflanze produziert wird. Dieses Gift töte nicht nur Ungeziefer, sondern schade auch wertvollen Bodenorganismen und Insekten, kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace.

          Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßten denn auch das Verbot. Die Gentechnik-Expertin von Greenpeace, Stephanie Töwe, sagte, die Entscheidung sei überfällig gewesen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegten, dass der Genmais eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Auch andere EU-Länder hätten ihn verboten. Die Gefahren ließen sich auch mit Überwachungsplänen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Umwelt dokumentieren sollen, nicht aus der Welt schaffen. Nun müsse Frau Aigner auch in Brüssel gegen die Neuzulassung ähnlicher Genmaissorten in der EU stimmen.

          Monsanto prüft Klagemöglichkeiten

          Der BUND teilte mit, die Verdachtsmomente, wonach der Genmais Natur und Tierwelt schädige, seien so zahlreich, dass ein Verbot zwingend gewesen sei. Fütterungsstudien hätten gezeigt, dass der Genmais das Immunsystem von Mäusen schädige. Das Aussaatverbot für MON 810 sei ein Erfolg des jahrelangen Engagements von Umweltorganisationen und Ökoanbauverbänden.

          Das Unternehmen Monsanto kündigte an, eine Klage schnellstmöglich zu prüfen. Die Dringlichkeit sei hoch, da die Aussaat kurz bevorstehe, sagte ein Sprecher der deutschen Niederlassung. Könne der Mais nicht ausgesät werden, drohe ein Schaden in Millionenhöhe.

          Linkspartei: „Nur ein erster Schritt“

          Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, sagte: „Das Verbot des Genmais MON 810 zeigt: Wenn außerparlamentarische Aktionen mit parlamentarischem Druck einhergehen, kann Politik verändert werden.“ Die heutige Entscheidung sei aber nur ein erster Schritt. „Nun muss sich Ministerin Aigner auch gegen die Zulassung der beiden Genmaissorten Bt11 von Syngenta und 1507 von Pioneer einsetzen“, sagte Frau Tackmann.

          Auch die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) begrüßte das Anbau-Verbot. „Für uns ist das gut, dann kehrt hoffentlich Friede ein.“ Rund 65 Hektar im Landkreis waren in diesem Jahr für den Anbau von gentechnisch veränderten Maissamen der Sorte MON 810 angemeldet worden. 2007 waren es nach Angaben des Bundes Naturschutz nur neun Hektar gewesen. Der unterfränkische Landkreis ist in Bayern das Hauptanbaugebiet für den nun verbotenen Genmais.

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