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Reformen in der Kirche : Bleibt der „Synodale Weg“ folgenlos?

Die erste Plenarversammlung des Synodalen Wegs wird mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom eröffnet. Bild: Philip Lisowski

Auf dem „Synodalen Weg“ wollen sich deutsche Katholiken mit schwierigen Themen auseinandersetzen. Es geht unter anderem um Zölibat und Gewaltenteilung in der Kirche. Etwaige Beschlüsse haben aber kaum Bindekraft.

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          Joseph Ratzinger war mit sich und der Geschichte der katholischen Kirche im Reinen. „Die Idee einer gemischten Synode als einer ständigen obersten Regierungsbehörde der nationalen Kirchen ist von der Überlieferung der Kirche wie von ihrer sakramentalen Struktur und von ihrem spezifischen Ziel her eine chimärische Idee. Einer solchen Synode würde jede Legitimität fehlen und ihr müsste daher der Gehorsam entschieden und eindeutig versagt werden“, äußerte er im April 1970 auf einer Tagung über „Demokratie in der Kirche“, zu der die Gesellschaft katholischer Publizisten nach München geladen hatte. Gemünzt waren die Warnungen des 43 Jahre alten Theologen, der auf dem II. Vatikanischen Konzil den Kölner Erzbischof, Joseph Kardinal Frings, beraten hatte, auf seinen erheblich älteren Widerpart Karl Rahner, den Konzilsberater des Wiener Kardinals König. Der Jesuit konnte sich damals eine „nationale Synode“ vorstellen, die „verbindliche Entscheidungen trifft, die für einen Bischof überraschend sein können“, und verband damit die Hoffnung, in diesem Fall werde „das Verhältnis zwischen Manipulation und Freiheit in der Kirche sowohl unaufgeregt als gleichzeitig auch in einer dauernden Bewegung sein, die die Erstarrung des Traditionellen immer wieder auflöst“.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Gemünzt waren beider Bemerkungen auf die „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“, auf die sich die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken 1968 verständigt hatten. Beide Seiten verbanden mit gemeinsamen Beratungen der Bischöfe und der Repräsentanten der Laienorganisationen die Hoffnung, die innerkirchlichen Fliehkräfte einzugehen, die sich nach dem II. Vatikanischen Konzil noch verstärkt hatten. Dabei waren die Grenzen, die der Synode gesteckt waren, den moderaten Bischöfen wie ihren Beratern von Anfang an klar. „Die Synode kann nicht über Sachverhalte gesetzgeberisch entscheiden, die einer gesamtkirchlichen Regelung vorbehalten sind. Sie kann freilich die Gesamtkirche um bestimmte Rechte bitten, kann ihr kräftige Impulse und dringliche Anregungen vermitteln und für besonders schwierige und drängende Nöte in ihrem Bereich (zum Beispiel Mischehen) um Verständnis werben“, hatte 1969 ein gerade einmal 33 Jahre alter Theologieprofessor namens Karl Lehmann formuliert. So sollte es kommen.

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