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Debatte um Dienstpflicht : Altmaier fordert Rechtsanspruch auf Freiwilligendienst

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie Bild: dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will den Bundesfreiwilligendienst stärken – und jungen Menschen einen Platz garantieren. Doch Trägerverbände warnen: Viele könnten sich ein freiwilliges soziales Jahr gar nicht leisten.

          In der Debatte um die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen Rechtsanspruch auf einen Platz für freiwillig Dienende ins Gespräch gebracht. Altmaier sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“, viele junge Leute „verspüren den Wunsch, nach Ausbildung oder Abitur ein freiwilliges soziales Jahr zu leisten“. Diese „positive Entwicklung“ solle dadurch unterstützt werden, dass „jedem jungen Menschen, der dies tun möchte, per Rechtsanspruch ein Platz garantiert“ werde.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Altmaier plädierte auch dafür, dass solche Freiwilligendienste gesellschaftlich stärker anerkannt werden sollten. Die Überlegungen zur Wiederbelebung der Wehrpflicht wollte Altmaier hingegen nicht mit der Pflichtdienst-Debatte in Verbindung gebracht sehen; ob die Wehrpflicht wiedereingeführt werden solle, sei aus seiner Sicht „in erster Linie eine verteidigungspolitische Frage“.

          Hohe Hürden, um Arbeitsleben zu verlassen

          Unterdessen wiesen die Freiwilligendienste darauf hin, dass viele junge Erwachsene in Deutschland die finanziellen Folgen eines Pflichtdienstes kaum tragen könnten und viele junge Menschen aus ärmeren Familien aus diesem Grund auch nicht für ein freiwilliges soziales Jahr zur Verfügung stünden.

          Die Sprecherin des Bundesarbeitskreises für das freiwillige soziale Jahr (FSJ) sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Viele junge Menschen, die nicht in einer gutsituierten Akademikerfamilie groß geworden sind, stehen unter dem Druck, Geld zu verdienen.“ Sie müssten hohe Hürden überwinden, um ein Jahr lang das Arbeitsleben verlassen zu können.

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wandte sich gegen ein verpflichtendes Dienstjahr. Er sagte der „Süddeutschen Zeitung“, es sei „viel besser“, die bestehenden Freiwilligendienste attraktiver zu machen, „so dass möglichst viele mitmachen“. Beide Seiten, „die Jungen und die Gemeinschaft“, müssten davon profitieren.

          Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende und bayerische Spitzenkandidatin Natascha Kohnen plädiert dafür, die bestehenden Freiwilligendienste zu stärken. Kohnen sagte der „B.Z. am Sonntag“, junge Menschen müssten stärker für soziale Berufe begeistert werden. Sie schlug vor, Aufmerksamkeit könne schon in der Schule geweckt werden, etwa dadurch, dass die Kinder „soziale Punkte sammeln“. Es müssten „ganz neue Ideen“ entwickelt werden.

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