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Zwist in der AfD : „Ich hatte das Bedürfnis, mich für Gauland zu entschuldigen“

  • -Aktualisiert am

Fraktionsvorsitzender Gauland hat für seine Aussage auch Kritik aus den eigenen Reihen geerntet. Bild: EPA

Mit seinem „Vogelschiss“-Vergleich hat Alexander Gauland eine Welle der Empörung ausgelöst. Im Interview mit FAZ.NET lässt der Sprecher der Alternativen Mitte offen, ob der Politiker noch tragbar ist als AfD-Fraktionschef.

          Herr Witt, was war Ihre erste Reaktion auf die „Vogelschiss“-Aussage von Herrn Gauland?

          Als ich von dieser Aussage von Herrn Gauland gehört habe, konnte ich es erst überhaupt nicht glauben. Ich habe deshalb versucht, sie mir bestätigen zu lassen. Bei der Alternativen Mitte haben wir auch Vertreter der Jungen Alternative, die bei der Veranstaltung in Saalfeld waren. Die haben mir den Satz bestätigt. Auch auf Youtube habe ich später ein Video mit Gaulands Rede gefunden. Daraufhin habe ich ihm geschrieben und ihn gebeten, mir zu erklären, was da passiert ist, was das sollte. Leider hat er bis jetzt nicht reagiert.

          Sie haben sich am Wochenende in einem Post auf Facebook und Twitter für Gaulands Bemerkung entschuldigt. Warum?

          Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich für Gauland zu entschuldigen. Er hat das wirklich mehr als missverständlich ausgedrückt. Man konnte einen Zusammenhang zwischen „Vogelschiss“ und 60 Millionen Toten herstellen – das ist völlig inakzeptabel.

          Uwe Witt ist Abgeordneter im Bundestag und Sprecher der Alternativen Mitte

          Was fordern Sie jetzt von Herrn Gauland?

          Ich erwarte immer noch, dass Herr Gauland das richtig stellt. Er hat ja schon am Sonntag einen Anlauf unternommen und eine öffentliche Erklärung abgegeben. Offensichtlich ist er dabei aber durcheinander gekommen und hat plötzlich nicht mehr von einem „Vogelschiss“, sondern von einem „Fliegenschiss“ gesprochen. Mir wurde gesagt, er habe das von einem Blatt abgelesen. Ich finde aber, man darf das trotzdem auf keinen Fall kleinreden und sagen: „Na ja, gut, er wusste halt nicht, was er da vorliest.“ Ich glaube, dass er genau gewusst hat, was er da abliest.

          Kann jemand, der so etwas sagt, noch Fraktionsvorsitzender der größten Oppositionspartei im Bundestag sein?

          Dazu möchte ich nichts sagen, ich will mir kein Urteil über ihn bilden, bevor ich nicht mit ihm gesprochen habe. Klar ist aber, dass die Missverständlichkeit seiner Äußerung der Reputation der ganzen Partei schadet. Das ist ein massives Problem. Morgen in der Fraktionssitzung will ich das auf jeden Fall ansprechen.

          In Ihrer Familie gab es auch Opfer durch die Nationalsozialisten.

          Ja, schon deshalb bin ich persönlich sehr betroffen durch Gaulands Aussage. Ich habe mich nach seiner Äußerung nicht gut gefühlt und wirklich lange überlegt, ob und wie ich mich dazu äußern soll.  Mir ist schon klar, dass es für eine Partei nicht förderlich ist, wenn man so eine Erklärung abgibt. Aber wir sind eine junge Partei, eine Partei, in der es unterschiedliche Meinungen gibt. Deshalb musste ich klar machen, dass die überwiegende Mehrheit der AfD nicht hinter diesem Satz steht.

          Sie sind Mitglied der Alternativen Mitte, einem Zusammenschluss von bürgerlich-konservativen Politikern in der AfD. Spielt die „gemäßigte Mitte“ in der AfD überhaupt noch eine Rolle?

          Natürlich, normalerweise ist der größte Teil aller AfD-Mitglieder bürgerlich-konservativ. Es ist nur ein kleiner Teil, der sich in einem Flügel unter Führung von Björn Höcke zusammengeschlossen hat, um gewisse nationale Konzepte zu präsentieren. Damit wurde eine große Aufmerksamkeit in den Medien erzielt. Man konnte in der Außenwirkung der Partei tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass die AfD nur aus Höcke und seinen Unterstützern besteht. Wir, die Ruhigen und Gemäßigten, wurden nicht mehr gehört. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr in Bayern und Nordrhein-Westfalen die Alternative Mitte gegründet, um vor der Bundestagswahl einen deutlichen Akzent zu setzen. Um den Wählern deutlich zu machen, dass es in der Partei mindestens zwei Strömungen gibt und nicht nur Björn Höcke.

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