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„Alternative für Deutschland“ : Putschversuche bei der AfD

Hofsommer war früher Landtagsabgeordneter der CDU und versuchte 2002, eine hessische Dependance der Hamburger Schill-Partei zu etablieren. Er wurde einst als Direktor der Jahnschule in Hünfeld in das Schulamt versetzt, weil er sich vor Schülern rassistisch geäußert haben soll. Hofsommer sagt, er habe im Unterricht lediglich gesagt: „Neger gehören nicht nach Amerika, weil sie als Sklaven dorthin gekommen sind.“

„Richtungsdifferenzen“ und ein „Reinigugngsprozess“

Der Lieblingsfeind dieser beiden, der frühere AfD-Landessprecher Eberhard Clamor von dem Bussche, sagt, die Querelen seien ein „Reinigungsprozess“ für die Partei, nicht nur in politischer Hinsicht. „Man muss sich in einer Partei in eine Ordnung einfügen. Manche, die damit auch sonst im Leben Schwierigkeiten hatten, haben das auch in der AfD.“ Auch Adam sieht „Richtungsdifferenzen“ als Ursache der Streitigkeiten. Auf AfD-Kreisebene habe er Pauschalurteile über Homosexuelle gehört, die „unerträglich“ seien.

Adams Kreisverband im Hochtaunuskreis zeigt, welche Gepflogenheiten innerhalb der AfD herrschen. An diesem Samstag findet eine Art Putschversuch gegen ihn statt. Teile des Kreisvorstandes haben satzungswidrig eine Kreishauptversammlung einberufen, um Adam abzuwählen. Gegen den Anführer Hans Weber läuft nun ein Parteiausschlussverfahren wegen parteischädigenden Verhaltens. Weber gilt als Fürsprecher einer mindestens rechtspopulistischen Ausrichtung der Partei. Er wettert in dem sozialen Netzwerk Facebook gegen das „US-Imperium“ und die „Holocaust-Industrie“ der Jewish Claims Conference, die Entschädigungen für Holocaust-Opfer „erpresse“.

Mit der Programmarbeit begann die Misere

In der Rückschau wird manches klarer. Dass sich die Parteiführung vor der Bundestagswahl nur auf ein vier Seiten dünnes Wahlprogramm festlegen wollte, könnte an der Erwartung gelegen haben, dass eine Programmdebatte die Partei vor die Zerreißprobe stellt. Tatsächlich begann mit der Programmarbeit auch in Hessen die Misere. Irgendwann blieben Hübner, Hofsommer und zwei weitere Vorstandsmitglieder den Sitzungen fern. Der Vorstand war beschlussunfähig.

Also suspendierte das Parteischiedsgericht die streikenden Mitglieder, um den Restvorstand wenigstens in die Lage zu versetzen, einen Parteitag einzuberufen. Dort wollte bloß niemand gegen den Restvorstand kandidieren - zu groß war die Sorge, tatsächlich gewählt zu werden und mit den Gegnern ein Gremium zu teilen. Den Mitgliedern des Restvorstands wurde zum Vorwurf gemacht, mit Tricks zu arbeiten, weil sie gemeinsam statt einzeln kandidierten. Erbost über diesen angeblich weiteren Beweis politischer Niedertracht stürmte eine aufgebrachte Menge aus dem Saal.

Nun hat der hessische Landesverband bis zum nächsten Parteitag am 14. Dezember gar keinen Vorstand mehr. Einen versöhnlichen Effekt aber hat das Tohuwabohu. Bis auf weiteres wird auch in der hessischen AfD nicht mehr über so etwas Profanes wie die Erstellung eines Parteiprogramms gesprochen.

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