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Alternative für Deutschland : Partei der Querulanten

Bernd Lucke beklagt sich über „Querulanten und Rechthaber“ in der AfD - und will sie loswerden. Der Vorsitzende hat damit das Problem seiner Partei erkannt. Doch der Ober-Querulant ist blind für die Folgen.

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          Wer eine Alternative für ein ganzes Land bieten will, muss Vorschläge machen, die quer liegen zu allem, was in dem Land ist - und quer zu allem, was alle anderen vorschlagen. Er muss also ein Querulant sein. Wobei sich der Querulant selbst nie als solcher empfindet - eher schon als Querkopf oder gar Querdenker. Das ist das Problem der Alternative für Deutschland, aber die Führung merkt das nicht, weil sie es gar nicht merken kann.

          Die AfD zieht Querulanten an, weil auch ihre Führung aus Querulanten besteht. Angefangen bei Parteichef Bernd Lucke. Querulanten müssen ja nicht immer krawallige Quertreiber sein, es gibt sie auch als bürgerliche Professoren, wohlhabende Wutbürger, ewige Besserwisser. Je mehr Unzufriedene es gibt, desto größer ist der Erfolg einer Querulanten-Partei.

          Bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen haben viele aus Protest oder Trotz AfD gewählt: Wer quer lag mit CDU, SPD, Linkspartei, ging zum Alternativangebot: Hauptsache, anders. Die Wahlergebnisse weisen die AfD jetzt als eine Partei aus, mit der sich die anderen befassen müssen. Sie als lächerliche Querulanten abzutun geht nicht mehr: Dazu ist die Partei zu stark. Und so werden die AfD-Leute jetzt als gefährliche Querulanten bekämpft - mit Schlagworten wie populistisch, radikal, extrem, rechts.

          Parallel dazu ist ein paradoxer Kampf im Innern der Partei entbrannt. Ober-Querulant Lucke rief jetzt in einer E-Mail alle Mitglieder auf, jene in den eigenen Reihen zu isolieren, die „Engagement mit Eiferei verwechseln“. Er nannte diese Gruppe „Querulanten und Rechthaber“. Sie seien schädlich, „weil sie ein Klima des Misstrauens schaffen, das wie ein schleichendes Gift in die Partei sickert“. Genau da liegt das Problem, da hat Rechthaber Lucke völlig recht. Er ist bloß blind für die Folgen: Wenn Querulanten andere Querulanten auffordern, gegen Querulanten vorgehen, dann ist das ein Aufruf zur Selbstzerfleischung.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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