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„Alternative für Deutschland“ : Partei der Experten

Sind die Euro-Skeptiker der „Alternative für Deutschland“ die neuen Piraten? Es gibt einige Parallelen. Auch, dass ihre Antworten so ungeheuer einfach klingen.

          Die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die sich am heutigen Sonntag gründet, könnte für das schwarz-gelbe Lager zu dem werden, was die Piraten eine Zeitlang für das rot-grüne waren - ein Ärgernis, aber auch eine Bedrohung. Noch im April 2012 konnte sich jeder dritte Deutsche vorstellen, die Piratenpartei zu wählen, heute liegt sie in Umfragen bei zwei Prozent.

          Ihren Platz hat die AfD eingenommen, die den Euro abschaffen und die EU „verschlanken“ will: Jeder Vierte wäre angeblich bereit, sie zu wählen. Nur weil sie, wie die Piraten am Anfang, unverbraucht daherkommt und sich schon im Namen der angeblichen Basta-Rettungspolitik der Kanzlerin entgegenstemmt?

          Tatsächlich gibt es einige Parallelen. Beide Parteien befassen sich mit einem Spezialthema, bedienen aber auch Forderungen, die vielen (Protest-)Wählern wichtig sind: mehr Mitsprache, Transparenz und direkte Demokratie. So tritt die AfD dafür ein, dass „auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs“ diskutiert werden, wenn sie innerhalb der Grenzen des Grundgesetzes bleiben. Ähnlich argumentierten auch die Piraten - und mussten dann mit ansehen, wie einige Mitglieder mit arg unkonventionellen Meinungen dazu beitrugen, ihr Bild in der Öffentlichkeit zu ruinieren. Dieses Schicksal könnte auch die AfD treffen.

          Allerdings spricht der Kreis ihrer Unterstützer - Ökonomieprofessoren, Richter, Generäle a.D. - dafür, dass die AfD weit weniger Probleme mit Hierarchien, Regeln und Parteiausschlüssen bekommen dürfte als die Piraten. Ebendieser Kreis ist es auch, der Union und FDP wichtige Stimmen rauben könnte. Geschickt inszeniert sich die AfD als Partei der Euroexperten - und wem würde man bei diesem Thema mehr Kompetenz zutrauen als den Ökonomen? Komisch nur, dass die Antworten der AfD auf all die komplizierten Fragen so ungeheuer einfach klingen.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

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