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Alternative für Deutschland : Lucke wollte Sarrazin als Zugpferd anwerben

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Sollte Zugpferd bei der Alternative für Deutschland werden: Thilo Sarrazin Bild: dpa

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat den umstrittenen früheren Finanzpolitiker Thilo Sarrazin nach einem Bericht intensiv als Galionsfigur für seine Partei umworben. Doch Sarrazin lehnt ab: Die AfD sei ein Chaoshaufen und müsse erst Ordnung schaffen.

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          Der SPD-Politiker Thilo Sarrazin ist vom AfD-Parteivorsitzenden Bernd Lucke intensiv für eine Spitzenfunktion in der eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) umworben worden. Sarrazin habe dieses Angebot jedoch abgelehnt, da „man dort noch Ordnung schaffen“ müsse. Das berichtete der SWR unter Berufung auf ein Interview mit Thilo Sarrazin.

          Seine Ablehnung, als Galionsfigur der AfD mitzuwirken, begründete Sarrazin mit der ungewissen Zukunft der AfD: „Um eine wirkliche politische Partei zu sein, muss man mehr haben als ein Thema, so wichtig der Euro ist. Ob die AfD nun den Weg schafft zu einer wirklich konservativ-liberalen Partei, die wir in Deutschland brauchen, das ist für mich noch offen.“ Sarrazin verglich die eurokritische Partei mit dem „Chaoshaufen“ der Grünen in ihren Anfangsjahren.

          „SPD braucht mich noch“

          Aber auch sein Alter habe ihn dazu bewogen, das Angebot der AfD auszuschlagen: „Man muss dann für sich selber Entscheidungen treffen. Und ich bin für einen der Parteigründer auch entschieden zu alt.“ Zudem sei er der Meinung, dass alle Parteien Stimmen ökonomischer Vernunft in ihren Reihen brauchten. Das gelte besonders für die SPD.

          Vorsitzender einer Partei, die nach Ansicht von Sarrazin ein „Chaoshaufen“ ist: Bernd Lucke
          Vorsitzender einer Partei, die nach Ansicht von Sarrazin ein „Chaoshaufen“ ist: Bernd Lucke : Bild: Reuters

          In einer internen Untersuchung der AfD von Anfang April 2014, die dem SWR vorliegt, bilanziert die eurokritische Partei: „Das größte Problem der AfD bei den Wählern ist, dass die AfD noch zu wenig bekannt ist.“ Das Meinungsforschungsinstitut Insa Consulere hatte im Auftrag der AfD ermittelt, dass „nur zwei von drei Befragten“ die AfD kennen; 31,5 Prozent war die Partei im März 2014 nicht bekannt. Weiter heißt es in der Bilanz: „Problemgruppen sind vor allem Frauen und Wähler im Osten Deutschlands. Das Thema Euro/EU findet in den neuen Bundesländern deutlich weniger Interesse als in den alten.“

          Große Sympathien für die AfD

          In einer Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung werden zudem überraschende Zahlen zu den Sympathien in den Anhängerschaften anderer Parteien mit der AfD zitiert. Demnach gibt es Sympathien für die AfD bei 39 Prozent der Anhänger der Linkspartei, 38 Prozent der FDP, 33 Prozent der Grünen, 31 Prozent der SPD, 30 Prozent der CDU-Anhänger.

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