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Allensbach-Umfrage : Wird Deutschland am Hindukusch verteidigt?

  • -Aktualisiert am

Bundeswehr in Afghanistan: allein auf weiter Flur - oder mit Rückendeckung der Heimat? Bild: ddp

Nicht die Bundeswehr steht in Deutschland in Zweifel, sondern der Sinn ihres Einsatzes in Afghanistan. Die Bürger wollen nicht Verantwortung in aller Welt übernehmen. Knapp die Hälfte fordert den bedingungslosen Abzug.

          Als Bundespräsident Horst Köhler am Freitag das Bundeswehr-Feldlager im afghanischen Mazar-i-Sharif besuchte, sagte er den Soldaten, die Deutschen stünden ihrem Einsatz dort alles andere als gleichgültig gegenüber. Und er erinnerte an den Eid der Bundeswehrsoldaten, der Bundesrepublik treu zu dienen und die Freiheit des Volkes tapfer zu verteidigen. „Genau dies“, fuhr er fort, „tun Sie hier in Afghanistan.“

          Trifft das zu? Tatsächlich steht die deutsche Bevölkerung dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan keineswegs gleichgültig gegenüber, und dass die Soldaten Deutschland tapfer dienen, stellt sicherlich kaum jemand in Frage. Doch viele Deutsche bezweifeln, dass der Einsatz am Hindukusch wirklich dazu beiträgt, die Freiheit des Volkes zu verteidigen. Dies geht aus der neuesten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der F.A.Z hervor. Sie zeigt, dass eine wachsende Mehrheit den Sinn des Einsatzes in Frage stellt.

          Auf die Frage „Sind Sie dafür, dass sich deutsche Soldaten auch in Zukunft an der Schutztruppe in Afghanistan beteiligen, oder sind Sie nicht dafür?“ antworten heute 65 Prozent der Befragten, sie seien nicht dafür, nur 22 Prozent sprechen sich für eine weitere Beteiligung aus. Noch eindeutiger fallen die Antworten aus, wenn etwas allgemeiner gefragt wird, wie sich die Bundesregierung zukünftig verhalten solle, wenn Militäraktionen wie jetzt in Afghanistan geplant seien. Lediglich 8 Prozent der Deutschen meinen, dass Deutschland sich in solchen Fällen „ohne Wenn und Aber“ daran beteiligen sollte, 52 Prozent sagen, man sollte sich dann so weit wie möglich zurückhalten, 31 Prozent lehnen eine Beteiligung ab.

          Für einen bedingungslosen Abzug

          Es ist folgerichtig, dass in dieser Lage eine relative Mehrheit der Deutschen auch einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan befürwortet. Eine Frage lautete: „Wenn es darum geht, wie lange die Bundeswehr in Afghanistan bleiben soll, gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, wir sollten die Bundeswehr sofort abziehen, auch wenn in Afghanistan noch kein Frieden herrscht, die anderen sagen, wir sollten die Bundeswehr erst abziehen, wenn das Land stabil und sicher ist. Welcher Meinung sind Sie?“ 48 Prozent antworten auf diese Frage, die Bundeswehr solle sofort aus Afghanistan abgezogen werden, lediglich 32 Prozent sagen, erst müsse das Land stabilisiert werden, bevor sich die Bundeswehr zurückziehen könne. In den neuen Bundesländern sprechen sich sogar mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, 68 Prozent, für einen bedingungslosen Abzug aus.

          Diese Einstellung ist kein Ausdruck einer grundsätzlich ablehnenden Haltung gegenüber Militäreinsätzen im Allgemeinen oder solchen der Bundeswehr im Besonderen. Sie ist deswegen auch nicht mit dem öffentlichen Widerstand gegen Militäreinsätze in den frühen neunziger Jahren zu vergleichen. Es ist eindrucksvoll, wie stark und wie rasch sich die Meinung der Deutschen auf diesem Gebiet in den Jahren nach der Wiedervereinigung verändert hat. Noch 1991 lehnte eine deutliche Mehrheit von 53 Prozent der Deutschen den Vorstoß des damaligen Bundeskanzlers Kohl ab, das Grundgesetz zu ändern, damit die Bundeswehr sich an Blauhelmeinsätzen der Vereinten Nationen beteiligen konnte (von anderen Militäreinsätzen sprach damals noch niemand). Im selben Jahr antworteten 56 Prozent auf die Frage „Sollte Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen, oder sollten wir uns da zurückhalten?“ die Bundesrepublik solle sich besser zurückhalten, lediglich 31 Prozent sprachen sich dafür aus, mehr Verantwortung zu übernehmen.

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