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Allensbach-Umfrage : Wird Deutschland am Hindukusch verteidigt?

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Wenn also die Zahl derjenigen, die den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ablehnen, zunimmt, ist dies nicht auf eine etwaige wachsende, weltanschaulich begründete Ablehnung gegenüber dem Militär zurückzuführen, sondern die Gründe sind in dem Einsatz selbst beziehungsweise in der Berichterstattung über ihn zu suchen. Zum einen machen sich die Deutschen über den Charakter des Einsatzes keine Illusionen. Auf die Frage „Befindet sich die Bundeswehr in Afghanistan im Krieg, oder würden Sie das nicht sagen?“ antwortet eine Mehrheit von 86 Prozent: „Sie befindet sich im Krieg.“ Versuche, den Einsatz - wenn auch aus juristisch verständlichen Gründen - als etwas anderes als die Beteiligung an einem Krieg zu beschreiben, dürften unter diesen Umständen als unglaubwürdiger Versuch der Beschönigung aufgefasst werden.

Zum anderen bestehen erhebliche Zweifel an der Zweckmäßigkeit des Unternehmens. Die Angst vor einem Terroranschlag in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren deutlichen Schwankungen unterworfen gewesen, alles in allem aber zurückgegangen. Während im September 2006 - vermutlich unter dem Eindruck der kurz zuvor vereitelten Bombenanschläge auf deutsche Eisenbahnzüge - 61 Prozent der Deutschen sagten, sie fürchteten, dass es in Deutschland „in nächster Zeit“ zu Terroranschlägen kommt, sagen dies heute noch 31 Prozent. Je weniger aber die Menschen Terroranschläge fürchten, umso weniger dringlich erscheinen ihnen die Gegenmaßnahmen.

Die Beteiligung am Einsatz „war ein Fehler“

Vor allem aber glauben die meisten Deutschen nicht, dass der Einsatz in Afghanistan hilft, solche Anschläge zu verhindern. Dies zeigen die Antworten auf die Frage: „Man hört ja manchmal, dass die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch, also in Afghanistan, verteidigt wird. Glauben Sie, der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan trägt zur Sicherheit Deutschlands bei, oder glauben Sie das nicht, wird Deutschland dadurch nicht sicherer?“ Lediglich 15 Prozent der Befragten antworten darauf, sie glaubten, der Einsatz trage zur Sicherheit Deutschlands bei. 69 Prozent winken ab und meinen, Deutschland werde tatsächlich nicht am Hindukusch verteidigt. Folgerichtig antworten auch 59 Prozent auf die Frage „Würden Sie sagen, es war ein Fehler, sich an der Schutztruppe zu beteiligen, oder würden Sie das nicht sagen?“: „Es war ein Fehler.“ Diese Position wird von den Anhängern aller Parteien mehrheitlich vertreten. Nur 21 Prozent widersprechen der Aussage ausdrücklich.

Doch so kritisch der Afghanistan-Einsatz auch von der Bevölkerung bewertet wird, von Aufregung oder einem tiefgehenden Ärger angesichts der scheinbar verfahrenen Lage in Afghanistan ist bisher nichts zu erkennen. Wird gefragt, welche Dinge den Menschen Sorgen bereiten, rangiert die Lage der Bundeswehr in Afghanistan, genannt von 41 Prozent der Befragten, unter „ferner liefen“, weit hinter Ängsten vor sinkenden Leistungen der Krankenkassen, steigenden Preisen, der Arbeitslosigkeit oder der Sorge vor wachsenden sozialen Unterschieden im Land. Stattdessen wird die Lage am Hindukusch mit Pragmatismus und vielleicht auch etwas Resignation zur Kenntnis genommen. Auf die Frage „Glauben Sie, dass sich solche Einsätze aufgrund der Mitgliedschaft Deutschlands in Nato und UN gar nicht vermeiden lassen, oder kann Deutschland sich aus solchen Auslandseinsätzen heraushalten?“ antworten 25 Prozent, sie meinten, Deutschland könnte sich heraushalten. Eine Mehrheit von 56 Prozent sagt gleichsam achselzuckend: „Es lässt sich nicht vermeiden.“

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