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F.A.Z. exklusiv : Interessen schlagen Fakten

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Noch größer sind die Zweifel, ob sich in der Berichterstattung über komplexe Themen belastbare Fakten identifizieren lassen. 55 Prozent ziehen die resignative Schlussfolgerung, dass angesichts der Komplexität und auch angesichts kursierender Falschmeldungen keiner mehr sicher sein könne, was wahr und was falsch ist. Der Kreis, der hier gegenhält und auf überprüfbare Fakten vertraut, macht gerade einmal 32 Prozent aus.

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Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

Das Informationsangebot ist heute größer, der Zugang zu Informationen leichter denn je. Aber die Hälfte der Bürger empfindet die politischen Informationen als unübersichtlich und widersprüchlich. 44 Prozent wissen „bei vielen politischen Informationen gar nicht, welchen davon ich glauben kann“. 45 Prozent sind misstrauisch, dass die wirklich wichtigen Informationen den Bürgern vorenthalten werden; von den Anhängern der Linken und insbesondere der AfD glaubt dies die überwältigende Mehrheit. Von diesem Misstrauen ist es zum Vorwurf der Lügenpresse kein weiter Weg. Der amerikanische Präsident arbeitet kontinuierlich mit diesem Vorwurf, offensichtlich ohne bei seinen Anhängern Schaden zu nehmen.

Misstrauen gegenüber den Medien

In Deutschland sind heute 42 Prozent der Bevölkerung überzeugt, an dem Vorwurf der Lügenpresse, der hier zunächst durch Pegida propagiert wurde, sei zumindest etwas dran. Rüde Attacken auf Journalisten, die in Deutschland nicht die öffentliche Diskussion, aber häufiger Debatten im Netz prägen, treffen auf eine bemerkenswerte Toleranz. Eine Äußerung aus dem Netz wie „Diese Lügenpresse lügt halt in alle Richtungen“, halten zwar nur 21 Prozent für in Ordnung, jedoch weitere 40 Prozent für grenzwertig, aber akzeptabel. „Dumm wie Dachpappe, diese Journalisten“ hält knapp die Hälfte der Bevölkerung für eine akzeptable Äußerung, „was für ein Drecksblatt“ die Mehrheit. In einer freien Gesellschaft ist es offenkundig eine besondere Herausforderung, einen zivilisierten Diskurs sicherzustellen.

Das Misstrauen, ein unvollständiges oder geschöntes Bild zu erhalten, ist keineswegs durchgängig, sondern eng themengebunden. Bei der Lokalberichterstattung attestiert die überwältigende Mehrheit den Medien eine glaubwürdige, unvoreingenommene Berichterstattung. Die Mehrheit vertraut auch den Berichten zur wirtschaftlichen Lage und speziell zum Arbeitsmarkt sowie den Berichten über den neuen amerikanischen Präsidenten oder den türkischen Präsidenten Erdogan. In Bezug auf Berichte über den russischen Präsidenten Putin gilt dies interessanterweise nicht: Hier vertraut nur jeder Dritte den Medien, während 59 Prozent zweifeln, ob die Berichterstattung ihnen ein zuverlässiges Bild gibt; überdurchschnittlich äußern wiederum Anhänger von AfD und Linker diese Zweifel.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt. : Bild: dpa

Zweifel an der Berichterstattung überwiegen auch in Bezug auf Analysen zur Terrorgefahr in Deutschland, zu der wirtschaftlichen Lage in der Euro-Zone, den Folgen des Brexit und den sozialen Unterschieden in Deutschland. Bei keinem Thema ist das Misstrauen jedoch so groß wie bei allen Informationen zu Flüchtlingen, sei es zu den aktuellen Flüchtlingszahlen oder zur Kriminalität von Flüchtlingen. Zwei Drittel der Bürger zweifeln an den Angaben zu den Flüchtlingszahlen, 73 Prozent an der Berichterstattung über die Kriminalität von Flüchtlingen.

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