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Allensbach-Studie : Keine Wechselstimmung

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Über die gesamte Legislaturperiode hinweg wurde die Koalition von der großen Mehrheit als uneinig wahrgenommen. Dies führte in Verbindung mit der Schwächung der FDP dazu, dass von dieser Koalition heute eine deutlich geringere Anziehungskraft ausgeht als vor der Wahl 2009. So ist die Ausgangslage von der eigentümlichen Konstellation gekennzeichnet, dass die Bürger heute im Durchschnitt zufriedener sind als vor vier Jahren, deswegen auch nicht auf einen Regierungswechsel aus sind, gleichzeitig aber weniger dazu tendieren, Schwarz-Gelb eine Mehrheit zu verschaffen, als das Anfang 2009 der Fall war. Im Februar 2009 erreichten die Unionsparteien zusammen mit der FDP bei den Zweitstimmenwahlabsichten rund 50 Prozent, aktuell 45 Prozent. Damit ist die Mehrheit für Schwarz-Gelb jedoch keineswegs außer Reichweite; die Chancen für den Fortbestand der Koalition haben sich verbessert.

Die Linke ist nur noch Ostpartei

Dies hat auch mit der anhaltenden Schwäche der SPD und der rückläufigen Unterstützung für die Linke zu tun. Die Unterstützung für die Linke ist binnen vier Jahren von 11 auf 6,5 Prozent gesunken. Sie hat sich zur Ostpartei zurückentwickelt, verliert aber auch dort an Unterstützung. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung der SPD. Ihre Potentiale sind heute größer als 2009. Damals konnten sich nur 29 Prozent der Wahlberechtigten vorstellen, für die SPD zu stimmen, aktuell 39 Prozent. Die konkreten Wahlabsichten zugunsten der SPD haben jedoch gegenüber Februar 2009 nur um zwei Prozentpunkte zugelegt. Zurzeit erreicht die SPD bei den Zweitstimmenwahlabsichten 27 Prozent. Damit schöpft sie ihr Potential weitaus schlechter aus als die CDU. Bei den Unionsparteien beträgt die Differenz zwischen Potential und konkreten Wahlabsichten lediglich vier, bei der SPD 12 Prozentpunkte.

Bei den Grünen ist dagegen eine andere Entwicklung zu beobachten. Für sie war immer typisch, dass sie ihre Potentiale nur begrenzt ausschöpfen. Sie genossen immer mehr Sympathien, als sie am Wahltag in Stimmen umsetzen konnten. 2009 konnten sich 22 Prozent der Wahlberechtigten vorstellen, die Grünen zu wählen, nur rund die Hälfte bekundete damals jedoch die dezidierte Absicht, dies auch zu tun. Heute ist das Potential der Grünen nur wenig größer als 2009, während sich die konkreten Wahlabsichten um vier Prozentpunkte erhöht haben. Damit haben die Grünen die Chance, ihr Potential bei der nächsten Bundestagswahl weitaus besser auszuschöpfen als 2009.

FDP bei aktuell sechs Prozent

Das Potential der FDP hat sich erdrutschartig verringert. Vor vier Jahren konnte sich ein Fünftel der Wahlberechtigten vorstellen, die FDP zu wählen, aktuell sechs Prozent. Die konkreten Wahlabsichten sind jedoch volatil. Mehrere Landtagswahlen haben gezeigt, dass sich die FDP von ihren zurzeit niedrigen Sympathiewerten abkoppeln und Ergebnisse erzielen kann, die höher liegen als der Anteil der Wähler, die ursprünglich die Wahl der FDP überhaupt erwogen haben.

Der Ausgang der Bundestagswahl ist damit unsicherer als 2009. Es gibt bisher auch kein Thema, das die Wahl entscheidend prägen könnte. Die Bürger haben zwar klare Vorstellungen, worum sich die nächste Bundesregierung besonders kümmern sollte: Eindämmung der Energiepreisentwicklung, Renten, Eingrenzung der Risiken für Deutschland, die aus der Euro-Krise erwachsen, Mindestlöhne, Abbau der Staatsverschuldung und gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Am Ende der politischen Agenda der Bürger stehen Themen, von denen sich die Oppositionsparteien Schubkraft erhoffen: eine Frauenquote, höhere Spitzensteuersätze, die Wiedereinsetzung der Vermögensteuer. Die politischen Prioritäten arbeiten zurzeit für die Unionsparteien, deutlich weniger für die SPD. Trotz allem ist diese Wahl alles andere als entschieden.

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