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Allensbach-Analyse : Was ist eigentlich Bildung?

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Bildung kann man sich aneignen: Königin Beatrix in der niederländischen Zentralbehörde Bild: dpa

Die Kenntnisse der Schüler sind dank Pisa gründlich erforscht. Was aber wissen die Erwachsenen? Und was halten sie für wissenswert? Die Analyse des Instituts Allensbach zeigt: Die Bildung der Gesellschaft hat ihren Tiefpunkt durchschritten.

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          Als Bundeskanzlerin Merkel im Juni die „Bildungsrepublik Deutschland“ ausrief, konnte sie sich des Beifalls der Öffentlichkeit sicher sein. Spätestens seit der Debatte über die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 gehört die Aussage, die Zukunft des Landes hänge vor allem von Bildung ab, ebenso zum Kern politischer Grundsatzreden wie die Forderung nach Erhöhung der Bildungschancen für bestimmte gesellschaftliche Gruppen.

          Landtagswahlkämpfe werden vom Streit über das Schulsystem geprägt, und als sich im Oktober die Regierungschefs von Bund und Ländern in Dresden zum „Bildungsgipfel“ trafen, wurde dies von den Bürgern aufmerksam registriert: 52 Prozent sagten in der jüngsten Umfrage des Allensbacher Instituts für die F.A.Z., sie hätten vom Ereignis gehört. Das ist für eine Veranstaltung, bei der es um die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern geht, ein hoher Wert.

          „Auf das der Mensch seine Bestimmung erkenne“

          Doch was ist Bildung? Wie viele Schlüsselbegriffe, die öffentlich erörtert werden, ist auch dieser Begriff vieldeutig, so dass die an der Debatte Beteiligten leicht aneinander vorbeireden. So findet sich in der bei F. A. Brockhaus in Leipzig von 1843 an veröffentlichten „Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände“ unter dem Stichwort „Bildung“ diese Erläuterung: Bildung sei die „durch den selbstbewussten und freitätigen Geist geleitete Entwicklung“, die dazu diene, dass „der Mensch seine Bestimmung erkenne und erstrebe, die keine andere ist, als in seinem ganzen Sein und Leben das Ebenbild Gottes darzustellen“.

          Bildung sei nur möglich durch eigene freie Tätigkeit des Geistes. Der Mensch könne nie von außen gebildet werden, er müsse sich selbst bilden. Ein größerer Gegensatz zu den unter demselben Stichwort geführten gegenwärtigen Diskussionen über die Effizienz und internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Schulsystems ist kaum denkbar. Was also meinen die Deutschen, wenn sie von „Bildung“ sprechen? Wie viel von der ursprünglichen Bedeutung ist heute noch im Bewusstsein der Menschen erhalten? Gibt es noch einen Bildungskanon, der um seiner selbst willen gepflegt wird, oder ist Bildung vor allem der Erwerb von Wissen, das für ein erfolgreiches Berufsleben nötig ist?

          Allgemeinbildung hat Vorrang

          Darüber, dass Bildung nicht allein ein Mittel für den beruflichen Erfolg ist und die Schulen auch nicht in erster Linie auf das Berufsleben vorbereiten sollten, herrscht in der Bevölkerung nahezu Konsens. Dies zeigen die Antworten auf eine Dialogfrage, bei der zwei Meinungen zur Auswahl vorgelegt wurden. Die erste: „Meiner Meinung nach sollte die Schule die Kinder vor allem auf das Berufsleben vorbereiten und daher auch in erster Linie Wissen vermitteln, das Kinder später im Beruf gut gebrauchen können. Eine umfassende Allgemeinbildung finde ich da nicht ganz so wichtig.“ Die Gegenposition lautete: „Meiner Meinung nach ist die Schule vor allem dafür verantwortlich, den Kindern eine möglichst gute Allgemeinbildung beizubringen. Die ist nicht nur für den Beruf wichtig, sondern für das ganze Leben. Kenntnisse und Fähigkeiten, die man für seinen Beruf braucht, lernt man sowieso bei der Arbeit am besten.“

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