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Allensbach-Analyse : Was bedeutet „sparen“?

  • -Aktualisiert am

Der Bürger wird unterschätzt

In Teilen der Politik scheint der Eindruck vorzuherrschen, es sei populär, den Wohlstand des Landes durch zusätzliche Staatsausgaben zu sichern. Doch es kann sein, dass man die Bürger damit unterschätzt. In einer weiteren Dialogfrage wurden zwei mögliche Verhaltensweisen des Staates gegeneinandergestellt. Der Aussage „Ich fände es richtig, wenn der Staat jetzt zusätzlich Geld ausgeben würde, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dafür muss man auch höhere Schulden in Kauf nehmen“ stimmen lediglich 21 Prozent der Deutschen zu.

61 Prozent entscheiden sich dagegen für die Gegenposition: „Deutschland hat bereits sehr hohe Schulden und kann sich nicht noch höhere Schulden leisten. Daher fände ich es nicht richtig, wenn der Staat jetzt Geld zur Ankurbelung der Wirtschaft ausgibt.“ Bemerkenswert ist, dass sich an dem Ergebnis der Frage fast nichts ändert, wenn man das erste Argument zusätzlich mit dem Satz einleitet „Ich fände es richtig, wenn der Staat jetzt Wachstumsimpulse setzen würde.“ Oft reagieren die Befragten stark auf solche durch die Berichterstattung geprägte schablonenhafte Formulierungen.

Bei konkreten Sparvorschlägen schwindet die Zustimmung

Doch in diesem Fall erhöht sich die Zustimmung zu staatlichen Wachstumsprogrammen nur von 21 auf 23 Prozent - der Unterschied liegt innerhalb der bei Umfragen unvermeidlichen Zufallsschwankungen. Das modische Schlagwort „Wachstumsimpulse“ beeindruckt die Bevölkerung nicht.

Allerdings schwindet das Verständnis für finanzielle Einschnitte rasch, sobald man den Befragten konkrete Sparvorschläge vorlegt. Dies zeigen die Antworten auf die Frage „Man hört ja häufig, dass der Staat nicht genügend Geld zur Verfügung hat beziehungsweise dass er sparen muss. Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um die finanzielle Lage des Staates zu verbessern?“

Zu dieser Frage wurde eine Liste mit 16 Vorschlägen zur Auswahl vorgelegt. Lediglich vier Maßnahmen fanden die Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Befragten: Jeweils rund drei Viertel meinten, es sei sinnvoll, überschuldeten Euroländern weniger Unterstützung zu gewähren, Steuersünder konsequenter zu verfolgen, Politikergehälter zu kürzen und höhere Steuern für Wohlhabende festzusetzen - alles Maßnahmen, von denen die meisten vermutlich glauben, sie wären davon nicht betroffen.

An fünfter Stelle, genannt von 41 Prozent, folgte die Forderung nach niedrigeren Verteidigungsausgaben. Echte Strukturreformen des Staatswesens, die den Haushalt tatsächlich nennenswert und dauerhaft entlasten könnten, fanden dagegen nur geringe Zustimmung: 34 Prozent der Befragten hielten einen Stellenabbau im öffentlichen Dienst für sinnvoll, die Kürzung von Sozialleistungen fanden nur 11 Prozent akzeptabel.

Sozialleistungen kürzen?

Der letzte Punkt rührt anscheinend an ein gesellschaftliches Tabu. Auf die direkte Frage „Glauben Sie, dass es möglich ist, die Staatsverschuldung in Deutschland zu senken, ohne die Sozialausgaben deutlich zu kürzen?“ antworteten immerhin 31 Prozent, sie glaubten, das sei nicht möglich. Doch nur jeder Dritte dieser Befragten sprach sich dafür aus, die Sozialleistungen auch tatsächlich zu kürzen. Eine relative Mehrheit von 43 Prozent dieser Gruppe sagte dagegen: „Da darf man nicht sparen“ und gab damit indirekt zu Protokoll, dass sie dann doch lieber hohe Staatsschulden in Kauf nehmen möchte.

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