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Allensbach-Analyse : Die Volksparteien sind noch nicht am Ende

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Die Potentiale für die Volksparteien haben sich gravierend verringert – unser Bild zeigt einen CDU-Kundgebung 2013. Bild: dpa

Die Flüchtlingskrise schwächt das Vertrauen in Union und SPD und stärkt die außerparlamentarische Opposition – vor allem die AfD. Ein Abgesang auf die alten Parteien ist dennoch verfrüht.

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          Die bemerkenswerten Ergebnisse der Landtagswahlen und die bundesweit gesunkene Unterstützung für CDU und SPD nähren Spekulationen über tektonische Verschiebungen in der Parteienlandschaft bis hin zur Prognose eines unaufhaltsamen Niedergangs der Volksparteien.

          Die Entwicklungen der vergangenen Monate lassen viele vergessen, wie stabil die Parteisympathien der Bürger in der ersten Hälfte der Legislaturperiode waren. Insbesondere die Unterstützung für die CDU/CSU schien wie zementiert. Erst mit der steilen Zunahme der Flüchtlingszahlen erodierte die Zustimmung, dann aber erdrutschartig. Die Dynamik dieses Sympathieverlusts nach der vorherigen, fast unnatürlichen Stabilität mahnt zur Vorsicht.

          Auf alle Fälle haben sich die Potentiale für die Volksparteien seit dem vorigen Jahr gravierend verringert. Bei der SPD ist dies bereits ein länger andauernder Prozess, bei den Unionsparteien eine dynamische Entwicklung erst seit dem Spätsommer 2015. Kurz vor der Bundestagswahl 2013 lag der Anteil der Wahlberechtigten, für die die CDU/CSU bei der Wahl grundsätzlich in Frage kam, bei 45 Prozent, im August 2015 bei 44 Prozent, 2016 dagegen nur noch bei 31 Prozent; auf der Basis der Wahlwilligen mit konkreter Parteiangabe erreichen die Unionsparteien im bundesweiten Durchschnitt damit zurzeit ein Potential von 36 Prozent.

          Im selben Zeitraum ist das Potential für die SPD zwischen 2013 und 2015 zunächst von 37 auf 32 Prozent und bis 2016 auf 25 Prozent geschrumpft. Gegenläufig hat vor allem der Kreis Verunsicherter zugenommen. 2013 konnten oder wollten 12 Prozent der Wahlberechtigten keine Partei nennen, die für sie bei einer Bundestagswahl in Frage kommt, jetzt 28 Prozent.

          AfD und FDP sehen sich gestärkt

          Auch der Kreis der Wahlberechtigten, die sich vorstellen können, bei der nächsten Bundestagswahl für die Linke oder für die Grünen zu stimmen, ist heute geringer als vor der vorigen Bundestagswahl. Der Erfolg der Grünen in Baden-Württemberg hat die ernüchternden Ergebnisse in den beiden anderen Ländern überdeckt. Ob die Grünen gestärkt oder geschwächt aus der Bundestagswahl 2017 hervorgehen, ist noch nicht ausgemacht.

          Gestärkt sehen sich zurzeit nur die Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind, die FDP und die AfD. Die FDP erreicht zurzeit bei den Zweitstimmenwahlabsichten 8 Prozent, die AfD zwischen 10 und 11 Prozent. Auf dem heutigen Stand ist zu erwarten, dass im nächsten Bundestag ein breiteres Parteienspektrum vertreten sein wird. Ein beträchtlicher Anteil der Bürger findet es sogar verlockend, dass die Zahl der Optionen noch größer sein könnte. So würden es 28 Prozent begrüßen, wenn die CSU auch außerhalb Bayerns auf dem Wahlzettel stünde – eine Vorstellung, die insbesondere die Anhänger von AfD und auch FDP reizt, überdurchschnittlich auch die der CDU.

          Der Erfolg der AfD bei allen drei Landtagswahlen wurde von den anderen Parteien und den Medien nahezu unisono kritisch kommentiert. Die Reaktion vieler Bürger fällt völlig anders aus. Fast die Hälfte der Bevölkerung quittiert die Ergebnisse mit einer gewissen Genugtuung und ordnet sie als Denkzettel für die etablierten Parteien ein – verbunden mit der Hoffnung, dass dies dort eine kritische Selbstreflexion auslöst.

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