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Allensbach-Analyse : Schwache Vorbehalte gegen staatliche Eingriffe

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Regulierungen durch den Staat und Kontrollen der Wirtschaft finden in der Krise großes Verständnis. Doch weder Union noch SPD werden von der Bevölkerung für ihr Krisenmanagement belohnt. Die Zustimmung für die FDP hingegen wächst.

          Die letzten Monate wirken wie eine Bestätigung aller Zweifel an der Selbstregulierungskraft der Märkte, wie eine endgültige Beweisführung aller Kapitalismuskritik. Der Staat gilt in einer Krise dieses Ausmaßes als einzig denkbare Rettungsinstanz, und mehr staatliche Regulierung gilt als verlässlichster Garant, um Ähnliches künftig zu vermeiden. Es scheinen geradezu ideale Bedingungen für einen erdrutschartigen Linksruck zu herrschen.

          Gerade in diesem wirtschaftlich beklemmenden Umfeld verzeichnen die bürgerlichen Parteien erstmals in dieser Wahlperiode einen deutlichen Vorsprung vor den linken Parteien insgesamt. Die Unterstützung für die Linke, die sich geradezu triumphierend in ihrer Distanz zu einem freiheitlichen Wirtschaftssystem bestätigt sieht, geht seit drei Monaten stetig zurück. Weder CDU/CSU noch SPD werden von den Bürgern für ihr Krisenmanagement und die Ausweitung der staatlichen Verantwortung belohnt. Dagegen ist die FDP im Höhenflug, die Partei, die als Anwalt unternehmerischer Freiheit und als Gegner eines ausgreifenden interventionistischen Staates gilt. Knapp 15 Prozent der Wahlberechtigten würden zurzeit mit ihrer Zweitstimme für die FDP votieren, knapp 36 Prozent für die CDU/CSU, rund 25 Prozent für die SPD, jeweils rund 11 Prozent für die Grünen oder die Linke. Während die Linke in den letzten drei Monaten gut 2 Prozentpunkte verloren hat, verzeichnet die FDP einen Zugewinn von 3 Prozentpunkten.

          Mehr als 50 Prozent halten staatliches Eingreifen für richtig

          Die FDP zieht Gewinn daraus, dass die neue Rolle des Staates vielen unheimlich ist. Nicht nur die aktuellen Schwierigkeiten, sondern auch die ausgreifenden Rettungsaktionen des Staates rufen in weiten Teilen der Bevölkerung Besorgnis hervor. Jedoch ist die Mehrheit überzeugt, dass es kurzfristig überhaupt keine andere Möglichkeit als diesen Kurs gibt. 57 Prozent halten es für richtig, dass der Staat jetzt stärker eingreift, um die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise abzuschwächen; 19 Prozent halten dies für falsch, ein beträchtlicher Anteil von rund einem Viertel der Bevölkerung enthält sich der Stimme.

          Schon diese Meinungsverteilung signalisiert trotz der klaren Mehrheit in weiten Teilen der Bevölkerung erhebliche Vorbehalte, die auffallenderweise durch persönliche Betroffenheit nicht gemindert werden. Von den Berufstätigen, die in ihrem Unternehmen bereits deutliche Zeichen der Krise beobachten, halten es 53 Prozent für richtig, 22 für falsch, dass der Staat verstärkt in die Wirtschaft eingreift, die übrigen enthalten sich der Stimme.

          Angst vor hoher Verschuldung

          Die vorherrschende Stimmung ist nicht Erleichterung über das beherzte Eingreifen des Staates, sondern eine Mischung aus nüchterner Zustimmung und Besorgnis über die Folgen. Nur gut ein Drittel der Bevölkerung sieht in dem staatlichen Eingreifen überwiegend Chancen, die Mehrheit auch oder sogar überwiegend Gefahren. Auch diejenigen, die im derzeitigen Kurs überwiegend Chancen sehen, befürchten einen steilen Anstieg der Verschuldung und höhere Belastungen für die Bürger.

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