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Allensbach-Analyse : Folgenlose Ängste

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Die Risikowahrnehmung tritt in den Vordergrund, wenn es um die Nutzung von Adressen und Kontoverbindungen geht oder Daten zur Einschätzung der Bonität von Kunden. So halten es nur 28 Prozent für akzeptabel, wenn bei Käufen im Internet Adressen, Kreditkartennummern und Kontodaten gespeichert werden. Noch größer ist die Ablehnung gegenüber der Sammlung und Verwendung von Daten, die helfen, die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern einzuschätzen. Nur jeder Fünfte hält dies für akzeptabel. Hier urteilen auch junge Internetnutzer nicht anders, die ansonsten mit der Sammlung von Daten weitaus weniger Probleme haben als der Durchschnitt der Bevölkerung. So ist es für zwei Drittel der unter 30-Jährigen in Ordnung, wenn Unternehmen individuelle Interessenprofile nutzen, um auf Produkte aufmerksam zu machen. 49 Prozent akzeptieren die Nutzung von Daten, wenn Internetseiten ihre Nutzer dadurch auf andere Beiträge oder Seiten aufmerksam machen, die sie interessieren könnten. 39 Prozent der Unter-30-Jährigen haben auch kein Problem mit der Speicherung von Adressen und Kontoverbindungen, wenn dadurch der persönliche Aufwand bei Bestellungen vermindert wird.

Viele in der jungen internetaffinen Generation geben besonders in sozialen Netzwerken sehr unbefangen persönliche Informationen preis, ohne die Risiken in den Blick zu nehmen. Gleichzeitig ist die junge Generation besonders skeptisch, ob Bemühungen um einen wirksamen Datenschutz im Netz Aussicht auf Erfolg haben. 39 Prozent der Bürger insgesamt, aber 50 Prozent der unter 30-Jährigen bezweifeln, dass sich gegenüber Unternehmen wie Google und Facebook ein wirksamer Datenschutz nach europäischen Standards durchsetzen lässt. Nur jeder Dritte ist zuversichtlich.

Ein Hebel für einen wirksameren Datenschutz wäre die Veränderung des Geschäftsmodells. Wenn die Nutzer bereit wären, für die bezogenen Informationen zu zahlen und dafür den Schutz ihrer Daten einzufordern, würde dies die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Informationsanbieter im Netz verändern. In der Abwägung zwischen der kostenlosen Nutzung von Informationen und der kostenpflichtigen Nutzung, verbunden mit dem Schutz der persönlichen Daten, entscheiden sich 32 Prozent für das Bezahlmodell, 31 Prozent für die kostenlose Nutzung und Freigabe ihrer Daten für Werbezwecke; 37 Prozent sind in dieser Frage unschlüssig. Bei der Frage, wieweit hier von der Politik ein verstärktes Engagement für den Datenschutz erwartet wird, trennt die Bevölkerung scharf zwischen mehr Vorgaben und Regeln für den Umgang mit persönlichen Daten und Eingriffen in die Freiheit im Netz. 67 Prozent der Bevölkerung, auch 60 Prozent der unter 30-Jährigen, halten es für notwendig, dass die Politik gegenüber Unternehmen versucht, Standards durchzusetzen, welche Daten gespeichert und gesammelt werden dürfen.

Gleichzeitig hält nur jeder Fünfte mehr staatliche Eingriffe und Kontrollen ins Internet für notwendig. Der Kreis derjenigen, die dem Staat unzureichende Regulierung vorwerfen, hat sich in den vergangenen vier Jahren sogar von 41 auf 21 Prozent halbiert. 11 Prozent empfinden die Regulierungsbemühungen und -überlegungen bereits als zu weit gehend. Fast die Hälfte der Bürger traut sich hier allerdings kein Urteil zu. Die Bürger beteiligen sich bisher nur begrenzt an den Debatten über die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen durch das Internet. In dem auf Kosten- und Nutzenerwägungen ausgerichteten Zeitklima kommen viele Themen von großer Tragweite zu kurz.

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