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Allensbach-Analyse : Folgenlose Ängste

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Auch in den Augen der Besorgten überwiegen in der Regel die Gratifikationen der Suchmaschine, während nur 4 Prozent überwiegend Nachteile sehen. Der Nutzen wird zudem im Alltag konkret erlebt, während die Risiken für die meisten eher ein medienvermitteltes und oft abstraktes Thema sind. Google wird von der überwältigenden Mehrheit vor allem mit dem raschen Zugang zu allen gewünschten Informationen gleichgesetzt, auch zu Informationen, an die man früher kaum herangekommen wäre. 90 Prozent assoziieren mit der Suchmaschine den raschen Zugang zu allen gewünschten Informationen, 69 Prozent die Möglichkeit, auch an Informationen zu kommen, die früher nicht zugänglich waren. Knapp zwei Drittel aller Internetnutzer ziehen kurz und bündig die Bilanz, Google mache das Leben leichter. Nur 30 Prozent macht die Nutzung Spaß, nur 27 Prozent können sich nicht mehr vorstellen, ohne Google auszukommen.

Als Risiken und Nachteile sehen die Nutzer vor allem die Sammlung der Daten durch die Suchmaschine, ihre Macht und Dominanz. Knapp jeder Zweite diagnostiziert eine nahezu monopolistische Stellung, ohne ernsthafte Konkurrenz. 54 Prozent schreiben Google große Macht zu. 58 Prozent ist bewusst, dass Google viele Daten seiner Nutzer sammelt. Angesichts der in den vergangenen Monaten intensiv geführten öffentlichen Debatte ist es jedoch bemerkenswert, dass gut vier von zehn Internetnutzern und auch 40 Prozent derjenigen, die täglich Google in Anspruch nehmen, nicht bewusst ist, dass sie für die kostenlose Nutzung gleichsam mit ihren Daten bezahlen. Noch kleiner ist der Kreis derjenigen, die das Geschäftsmodell verstanden haben. Nur jeder dritte Nutzer der Suchmaschine geht davon aus, dass Google Geschäfte mit den Daten und Profilen der Nutzer macht. Dass durch Google Datenschutzbestimmungen missachtet werden, glaubt gut jeder vierte Nutzer, an eine regelrechte Überwachung 28 Prozent.

Informationsdefizite sind bemerkenswert

Auch denjenigen, die sich über ihre Daten im Netz Sorgen machen, ist nur teilweise bewusst, dass Suchmaschinen von den Daten der Nutzer leben. Da dieser Sachverhalt keineswegs kaschiert wird, sind diese Informationsdefizite bemerkenswert. Sie führen zwangsläufig zu der Frage, wie intensiv sich die Bürger bei aller bekundeten Betroffenheit mit dem Thema auseinandersetzen und wie ernst es ihnen mit einem wirksamen Datenschutz ist: Wenn das Sammeln und die Auswertung einem aus der Sicht der Bürger nachvollziehbaren guten Zweck dienen, hat die Mehrheit keine Einwände. Das gilt insbesondere, wenn der Staat zur Aufklärung von Straftaten Telefon- oder Internetverbindungen auswertet, aber auch, wenn die Daten helfen, Investitionen und Ressourcen besser zu planen. Die Mehrheit hat keine Probleme damit, wenn Unternehmen (speziell Pharmafirmen) Beiträge in Diskussionsforen im Netz auswerten, um dadurch Produkte zu verbessern. Auch die Sammlung durch Behörden wird unterstützt, wenn Behördengänge vereinfacht werden.

Bemerkenswert ist jedoch, dass 52 Prozent auch die Sammlung und Auswertung von Daten durch Unternehmen akzeptieren, wenn dies dazu dient, die Kunden auf Produkte aufmerksam zu machen, die in ihren Interessenbereich fallen. Dies ist exakt das Geschäftsmodell, das Suchmaschinen für werbetreibende Unternehmen einsetzen. Dieselben Personen, die eine Nutzung von individuellen Profilen für zielgenaue Werbung mit großer Mehrheit als störend einstufen, können sich mehrheitlich genau dafür erwärmen, wenn nicht von individualisierter Werbung, sondern von auf die Interessen der Nutzer abgestimmten Produktinformationen die Rede ist. Die Haltung zur Sammlung und Verwertung von Daten hängt davon ab, ob die Menschen sich davon mehr Nutzen als Risiken versprechen.

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