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Allensbach-Analyse : Eine fremde, bedrohliche Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Graben zwischen Christen und Muslimen wird tiefer: Inzwischen betrachtet die Bevölkerung die Rolle des Islams auch in Deutschland mit wachsendem Mißtrauen. In den Köpfen der Bürger hat der „Kampf der Kulturen“ bereits begonnen.

          Wie entstehen eigentlich Konflikte, Kriege zwischen Bevölkerungsgruppen oder Völkern?

          Die Geschichte lehrt, daß dem offenen Ausbruch eines Konflikts oft eine längere Zeit der Entfremdung vorangeht. Die Beteiligten stellen fest, daß ihre Ziele nicht miteinander zu vereinbaren sind, das Verständnis für das Anliegen des Gegenübers nimmt ab, die beiden Parteien sprechen immer weniger miteinander, Mißtrauen entsteht und wächst. Die Wahrnehmung des Gegenübers wird zunehmend durch Gerüchte und stereotype Vereinfachungen geprägt, die Sprache, mit der über die andere Seite gesprochen wird, wendet sich ins Schlagworthafte.

          Schließlich werden die Absichten der Gegenseite als Bedrohung für die eigenen Ziele, sogar die Existenz angesehen, der man sich mit allen Mitteln erwehren müsse. Dem Gegenüber werden jegliche Moral und schließlich sogar menschliche Eigenschaften abgesprochen.

          Beginn einer Konfliktspirale

          Als der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington vor mehr als einem Jahrzehnt seine These vom „Clash of Civilizations“ veröffentlichte, erntete er dafür viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik. Zu wenig schien die Annahme, es werde eines Tages eine Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Kulturkreisen auf der Welt geben, in eine Zeit zu passen, die nach dem Ende des Kalten Krieges einer friedlichen Zukunft entgegenzugehen schien. Historiker rechneten vor, daß die weitaus meisten Konflikte in der Geschichte stets innerhalb eines Kulturkreises stattgefunden hätten.

          Betrachtet man die Ergebnisse der Umfrage über die Einstellung der Deutschen zum Islam, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Mai 2006 im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhoben hat, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß in Deutschland ebenjener Prozeß der Entfremdung zwischen abendländischer und islamischer Welt wie auch der zwischen traditioneller Bevölkerung und den im Lande lebenden Muslimen selbst stattfindet, der, wenn man es pessimistisch betrachtet, als Beginn einer Konfliktspirale angesehen werden kann.

          Spürbar verdüsterte Vorstellungen

          So sind die Deutschen zunehmend der Ansicht, daß ein friedliches Zusammenleben mit der islamischen Welt auf Dauer unmöglich sein wird. Auf die Frage „Was meinen Sie: Können Christentum und Islam friedlich nebeneinander existieren, oder sind diese Religionen zu verschieden, wird es deshalb immer wieder zu schweren Konflikten kommen?“ antworten heute 61 Prozent der Befragten, sie glaubten, es werde immer wieder schwere Konflikte zwischen Islam und Christentum geben.

          Formuliert man die Frage etwas genauer und fragt, ob es in Zukunft zu Konflikten zwischen der westlichen und der arabisch-muslimischen Kultur kommen werde, ändern sich die Antworten kaum. In diesem Fall sagen 65 Prozent, sie rechneten mit solchen Konflikten.

          Die Vorstellungen der Deutschen über den Islam waren bereits in den vergangenen Jahren negativ, doch sie haben sich in der jüngsten Zeit noch einmal spürbar verdüstert. 91 Prozent der Befragten sagten im Mai 2006, sie dächten bei dem Stichwort Islam an die Benachteiligung von Frauen; im Jahr 2004 hatten 85 Prozent so geurteilt. Die Aussage, der Islam sei von Fanatismus geprägt, teilten vor zwei Jahren 75, jetzt 83 Prozent. Der Islam sei rückwärtsgewandt, sagen heute 62 im Vergleich zu 49 Prozent, er sei intolerant, meinen 71 gegenüber 66 Prozent, und die Ansicht, der Islam sei undemokratisch, hat in den vergangenen zwei Jahren von 52 auf 60 Prozent zugenommen. Die Eigenschaft Friedfertigkeit bescheinigen dem Islam gerade acht Prozent der Deutschen.

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