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Allensbach-Analyse : Ein neuer deutscher Patriotismus?

  • -Aktualisiert am

Drei Viertel der Bevölkerung lieben Deutschland Bild: dpa

Das Fahnenmeer zur Fußball-WM hat die meisten Deutschen überrascht - angenehm überrascht. Wie sich Deutschland bei den Spielen präsentierte, hat den Stolz auf das Land gefestigt und vergrößert.

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          Als in den Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft das Land ein schwarzrotgoldenes Fahnenmeer war, waren die Deutschen selbst wohl am meisten verblüfft. 58 Prozent der Bevölkerung waren überrascht, daß das Land plötzlich Flagge zeigte, nur 37 Prozent empfanden das als ein normales Phänomen während einer Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land; vor allem die ältere Generation traute kaum ihren Augen.

          Nur die junge Generation kann die Überraschung mehrheitlich nicht nachempfinden. Sind es doch vor allem die Jüngeren, die die Welle der Begeisterung so sichtbar gemacht haben. 58 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahren haben während der Weltmeisterschaft selbst eine deutsche Fahne oder andere Dinge mit den Nationalfarben getragen oder angebracht, in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren auch knapp jeder zweite, von den über 60 Jahre alten Bürgern nur 18 Prozent.

          Einigkeit: Kein Partyphänomen

          In der Interpretation dessen, was sich da ereignete, sind sich jedoch die ältere und jüngere Generation einig. Sie glauben nicht an eine Modeerscheinung, ein Partyphänomen mit kurzem Verfallsdatum; für 62 Prozent haben die Fahnen gezeigt, daß es in Deutschland ein Nationalgefühl wie in anderen Ländern gibt. 57 Prozent und wiederum überdurchschnittlich die Jüngeren haben das Gemeinschaftsgefühl genossen, das durch die sichtbare Identifikation mit dem eigenen Land gestiftet wurde. Gleichzeitig ist die Mehrheit überzeugt, daß diese Welle nationaler Begeisterung im Ausland keineswegs Befremden hervorrief, sondern mit Sympathie gesehen wurde.

          Die Fahnen wurden als Zeichen eines angenehmen, fröhlichen Patriotismus empfunden. Die wenigen kritischen Stimmen, die sie als Vorboten neuer deutscher Hybris werten wollten, treffen auf völliges Unverständnis. Nur 3 Prozent der Bevölkerung, 2 Prozent der Altersgruppe unter 30 Jahren halten es für gefährlich, wenn sich auf diese Weise die Identifikation mit dem eigenen Land manifestiert.

          Auch losgelöst vom sportlichen Großereignis wird das demonstrative Bekenntnis zum eigenen Land heute in Deutschland überwiegend mit Sympathie gesehen. Die Einstellungen haben sich über die letzten anderthalb Jahrzehnte von Grund auf verändert. Noch 1990, als die deutsche Einheit kurzfristig eine Welle nationaler Begeisterung auslöste und politische Großveranstaltungen gleichfalls in einem schwarzrotgoldenen Fahnenmeer stattfanden, rief das demonstrative Bekenntnis zu Deutschland überwiegend Beklemmungen hervor. Nur 22 Prozent sahen die Anzeichen eines neuen Patriotismus mit Sympathie, 43 Prozent mit Unbehagen.

          Vor allem die Jüngeren widersprechen

          Nach und nach hat sich die Überzeugung durchgesetzt, daß die Auseinandersetzung mit den düsteren Kapiteln der deutschen Vergangenheit gerade nicht die Distanzierung vom heutigen Deutschland fordert, das von vornherein als Gegenentwurf zu dem NS-Regime entstanden war. Noch 1994 waren 44 Prozent der Bevölkerung überzeugt, daß die deutsche Geschichte weitgehend verbiete, hier Nationalgefühl und nationale Symbole zu pflegen. Heute teilen nur noch 22 Prozent der Bevölkerung diese Auffassung, während 58 Prozent entschieden widersprechen.

          Auch hier ist es vor allem die junge Generation, die Widerspruch anmeldet: 68 Prozent der Altersgruppe bis 30 Jahre halten es für falsch, aus den düsteren Kapiteln der Vergangenheit die Forderung nach einer dauerhaften Unterdrückung patriotischer Gefühle abzuleiten, In der Altersgruppe über 60 Jahre teilen nur 54 Prozent diese Überzeugung.

          Daß Nationalbewußtsein generell schädlich ist und dem Ressentiment gegenüber anderen Nationen Vorschub leistet, war schon immer die Position einer Minderheit. Mitte der neunziger Jahre waren noch 12 Prozent davon überzeugt, heute 5 Prozent. 79 Prozent sehen in der Identifikation mit dem eigenen Land grundsätzlich etwas Positives, das die Haltung zu anderen Nationen in keiner Weise negativ prägt.

          Kein historisches Auslaufmodell

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